DYS+ Campus ist kostenlos und ohne Werbung. Projekt mit einer Spende unterstützen

Katholische Religion

Schweigen, Anpassung und Schuld

Viele schwiegen oder passten sich an. Nach 1945 sprachen Kirchen von Schuld. Wir prüfen, wie die Kirche gehandelt hat und woran man das misst.

  • ca. 13 Minuten
  • Klasse 9
  • Niveau: Standard

Das lernst du heute

  • Ich erkläre, warum viele schwiegen oder sich anpassten.
  • Ich beschreibe Schuld und Versagen der Kirche in dieser Zeit.
  • Ich beurteile das Verhalten der Kirche am Auftrag, Jesus nachzufolgen.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Widerstand: von Galen und andere

Neben Widerstand gab es Schweigen. Viele Katholikinnen und Katholiken, Priester und Bischöfe sahen die Ausgrenzung und Verfolgung und sagten nichts. Gründe waren Angst, Loyalität zum Staat, Gewohnheit und Gleichgültigkeit. Manche glaubten auch der Propaganda, also der einseitigen Werbung des Staates.

Besonders deutlich wird das bei der Verfolgung der Jüdinnen und Juden. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten Synagogen. Öffentlicher Protest der Kirchenleitungen blieb weitgehend aus. Im Krieg wurden etwa sechs Millionen europäische Jüdinnen und Juden ermordet. Die Kirchenleitungen verteidigten die verfolgten Jüdinnen und Juden nicht öffentlich genug.

Nach 1945 haben Kirchen Schuld bekannt. Die evangelische Kirche veröffentlichte im Oktober 1945 das Stuttgarter Schuldbekenntnis. Auch katholische Bischöfe sprachen 1945 von Schuld. Später folgten weitere Erklärungen. Heute wird diskutiert, was sie genau eingestanden haben und was fehlte.

Wie beurteilt man das Verhalten? Ein Maßstab ist der Auftrag, Jesus nachzufolgen: Er stellte Menschen in Not in den Mittelpunkt. In Lukas 10 erzählt er vom barmherzigen Samariter, der einem Verletzten hilft. Daran gemessen zeigt sich: Es gab Mut, aber auch viel Versagen.

Verhalten und Maßstab.
HaltungBeispieleMaßstab Jesu Auftrag
WiderstandPredigt, Hilfe, GebetNächstenliebe in Tat umgesetzt
Schweigenkeine öffentliche Stimme zu PogromenHilfe unterlassen
AnpassungRücksicht auf den StaatWahrheit und Würde zurückgestellt

Verhalten beurteilen

  1. Wir beschreiben das Verhalten: Eine Kirchenleitung schweigt zu den Pogromen.
  2. Wir nennen den Maßstab: Nächstenliebe nach Lukas 10.
  3. Wir vergleichen: Wurde den Verfolgten geholfen?
  4. Wir urteilen und begründen: Der Maßstab wurde hier nicht erfüllt.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Viele schwiegen.

Einige handelten.

Nach 1945: Bekenntnis von Schuld.

Ein Beispiel

Beispiel

In einer Klasse sehen viele, dass jemand ausgegrenzt wird. Die meisten schweigen. Später sagen manche: „Wir hätten etwas tun müssen.“ So ähnlich ist es hier, nur viel schlimmer.

Schritt für Schritt

Wir urteilen mit Maßstab

  1. Schritt 1: Wir beschreiben, was geschah.
  2. Schritt 2: Wir wählen den Maßstab: Nächstenliebe nach Lukas 10.
  3. Schritt 3: Wir vergleichen: Wer half dem Menschen in Not?
  4. Schritt 4: Wir formulieren das Urteil mit Begründung.

Mit einem Bild erklärt

SchrittFrage
1Was geschah?
2Welcher Maßstab gilt?
3Wie passt das Verhalten dazu?
4Wie lautet mein begründetes Urteil?

Zur Grundlage zurück

Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Warum schwiegen viele Menschen?
Zeig mir den ersten Schritt

Es gab nicht nur einen Grund.

Lösung ansehen

Lösung: Aus Angst, aus Loyalität zum Staat und aus Gleichgültigkeit

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Welcher Satz ist ein begründetes Urteil?
Zeig mir den ersten Schritt

Suche den Satz, der einen Maßstab nennt.

Lösung ansehen

Lösung: Das Schweigen zur Pogromnacht widersprach der Nächstenliebe, die Jesus verlangt.

Tipp: Ein Urteil braucht drei Schritte: Verhalten beschreiben, Maßstab nennen, begründet vergleichen.

Merksatz: Neben Widerstand gab es Schweigen und Anpassung. Nach 1945 bekannten Kirchen Schuld. Beurteilt wird das Verhalten am Maßstab der Nachfolge Jesu.

Typischer Fehler: Viele denken, ein Urteil sei nur Meinung. Ein gutes Urteil nennt den Maßstab und begründet den Vergleich.

Prüfen

Mini-Quiz

5 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Was wurde am 9./10. November 1938 verübt?
Lösung ansehen

Lösung: Die Pogromnacht, bei der Synagogen brannten

Frage 2 Nach 1945 sprachen Kirchen öffentlich von Schuld.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Frage 3 Welcher Maßstab hilft, das Verhalten der Kirche zu beurteilen?
Lösung ansehen

Lösung: Der Auftrag, Jesus nachzufolgen und Menschen in Not zu helfen

Frage 4 Alle Kirchenleitungen schwiegen vollständig zur Verfolgung.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Frage 5 Etwa wie viele Millionen europäische Jüdinnen und Juden wurden ermordet?

Zeig mir den ersten Schritt

Lies den Lektionstext.

Lösung ansehen

Lösung: 6

Es waren etwa sechs Millionen.

Geschafft

Die Kirche zeigte Mut und Versagen. Viele schwiegen. Nach 1945 sprachen Kirchen von Schuld. Der Maßstab ist der Auftrag Jesu, Menschen in Not zu helfen.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Kirche im Nationalsozialismus – Widerstand und Schuld

Kurz erklärt, 42 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

PDF, 402 KB

Übungsheft herunterladen (PDF, 402 KB)

Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen