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Katholische Religion

Christlicher Antijudaismus in der Geschichte

Judenfeindliche Haltungen haben in der Kirchengeschichte eine lange Vorgeschichte. Wir prüfen ihre Formen und Ursachen.

  • ca. 13 Minuten
  • Klasse 9
  • Niveau: Standard

Das lernst du heute

  • Ich erkläre den Begriff Antijudaismus.
  • Ich stelle Beispiele aus der Kirchengeschichte dar.
  • Ich nenne Ursachen und wie die Kirche ihre Haltung später änderte.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Das Christentum wächst aus dem Judentum

Antijudaismus ist die Ablehnung des Judentums aus religiösen Gründen. Er war über lange Zeit ein Teil der christlichen Geschichte. Jesus und die ersten Christen waren selbst Juden. Trotzdem entwickelte sich bald ein Gegensatz.

Ein Beispiel ist der Vorwurf, „die Juden“ seien schuld am Tod Jesu. Dieser Vorwurf ist falsch. Die Evangelien (Matthäus 27, Johannes 18 und 19) erzählen vom Prozess Jesu. Einzelne Sätze wurden später auf alle Jüdinnen und Juden bezogen. Das Todesurteil sprach der römische Statthalter Pontius Pilatus. Rom war damals die Besatzungsmacht.

Im Mittelalter kam es zu Ausgrenzung und Gewalt. Jüdinnen und Juden mussten vielerorts in eigenen Vierteln leben und durften viele Berufe nicht ausüben. Im Jahr 1096 wurden bei Kreuzzügen jüdische Gemeinden im Rheinland angegriffen. Zur Zeit der Pest um 1348 wurde Juden zu Unrecht vorgeworfen, Brunnen vergiftet zu haben. Es gab Vertreibungen, zum Beispiel aus England 1290 und aus Spanien 1492.

Die Ursachen waren Unwissen, Angst, Machtinteressen und der Wunsch nach einem Sündenbock. Auch Martin Luther schrieb in späten Jahren sehr judenfeindliche Schriften.

Im 20. Jahrhundert änderte sich die Haltung. 1965 erklärte das Zweite Vatikanische Konzil in „Nostra aetate“, dass man den Tod Jesu weder allen damals lebenden noch den heutigen Juden anlasten darf. Die Kirche lehnt Hass auf Juden ausdrücklich ab. 1986 besuchte ein Papst erstmals eine Synagoge in Rom.

1096Angriffe im Rheinland1348Pestvorwürfe1492Vertreibung aus Spanien1965Nostra aetate
Von Gewalt zur Erklärung der Kirche.

Vorwurf und Wahrheit trennen

  1. Wir lesen den Vorwurf: „Die Juden sind schuld am Tod Jesu.“
  2. Wir prüfen: Wer verurteilte Jesus? Die römische Macht.
  3. Wir prüfen: Waren Jesus und seine Freunde Juden? Ja.
  4. Ergebnis: Der Vorwurf ist falsch und ungerecht.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Antijudaismus: religiöse Ablehnung.

Folgen: falsche Vorwürfe, Gewalt.

1965: Die Kirche lehnt ihn ab.

Ein Beispiel

Beispiel

Ein Gerücht wird immer weiter erzählt, obwohl es falsch ist. Menschen glauben es, weil sie Angst haben. Genau so entstanden viele Vorwürfe.

Schritt für Schritt

Wir erkennen einen falschen Vorwurf

  1. Schritt 1: Wir lesen den Vorwurf.
  2. Schritt 2: Wir fragen, wer beschuldigt wird: eine ganze Gruppe?
  3. Schritt 3: Wir prüfen, ob es Belege gibt.
  4. Schritt 4: Wir halten fest: Pauschale Schuld für eine Gruppe ist ungerecht.

Mit einem Bild erklärt

FrageBeispiel Brunnenvergiftung
Wer wird pauschal beschuldigt?Juden
Beleg?keiner
Wirkung?Gewalt und Vertreibung

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Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Was bedeutet Antijudaismus?
Zeig mir den ersten Schritt

Das Wort enthält „gegen das Judentum“.

Lösung ansehen

Lösung: Ablehnung des Judentums aus religiösen Gründen

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Wer verurteilte Jesus nach den Evangelien zum Tod?
Zeig mir den ersten Schritt

Denke an die Besatzungsmacht.

Lösung ansehen

Lösung: Der römische Statthalter Pontius Pilatus

Tipp: Prüfe bei einem Vorwurf: Wer wird beschuldigt, und stimmt die Quelle? Pauschale Vorwürfe sind ein Warnzeichen.

Merksatz: Antijudaismus ist religiös begründete Ablehnung des Judentums. Er hatte falsche Vorwürfe zur Folge. Die Kirche hat ihn 1965 ausdrücklich verworfen.

Typischer Fehler: Viele verwechseln Antijudaismus und Antisemitismus. Antijudaismus argumentiert religiös. Antisemitismus argumentiert mit einer erfundenen „Rasse“ oder Gruppe.

Prüfen

Mini-Quiz

4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Welches Beispiel gehört zur Judenfeindschaft im Mittelalter?
Lösung ansehen

Lösung: Der Vorwurf, Juden hätten in der Pestzeit Brunnen vergiftet

Frage 2 Jesus und die ersten Christen waren Juden.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Frage 3 Was erklärte „Nostra aetate“ 1965?
Lösung ansehen

Lösung: Die Kirche lehnt Hass auf Juden ab, und der Tod Jesu darf den Juden insgesamt nicht angelastet werden.

Frage 4 Antijudaismus und Antisemitismus bedeuten genau dasselbe.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Geschafft

Antijudaismus war über Jahrhunderte Teil der Geschichte, mit Ausgrenzung, falschen Vorwürfen und Gewalt. Heute lehnt die Kirche ihn ab.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Kirche im Nationalsozialismus – Widerstand und Schuld

Kurz erklärt, 42 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

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