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Evangelische Religion

Verantwortung der Kirche für die Gesellschaft

Die Kirche übernimmt Aufgaben für die Gesellschaft: Sie hilft, mahnt und mischt sich ein. Darüber wird auch gestritten.

  • ca. 13 Minuten
  • Klasse 9
  • Niveau: Plus

Das lernst du heute

  • Ich beschreibe Formen kirchlicher Verantwortung.
  • Ich erkläre ein historisches Beispiel in der NS-Zeit.
  • Ich erörtere Chancen und Grenzen kirchlicher Einmischung.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst eine dieser Lektionen: Kirche und Staat in Deutschland, Kirche muss sich immer erneuern

Die Kirche versteht sich nicht nur als Gemeinschaft zum Beten. Sie sieht sich auch für die Gesellschaft verantwortlich. Das zeigt sich auf verschiedene Weise.

Erstens in der Diakonie: Kirchen betreiben Kitas, Pflegeheime, Beratungsstellen und Krankenhäuser. Sie helfen Menschen in Not. Zweitens in der Seelsorge: Seelsorgerinnen und Seelsorger begleiten Menschen im Krankenhaus oder im Gefängnis. Drittens in der öffentlichen Stimme: Kirchen äußern sich zu Fragen wie Frieden, Armut, Umwelt oder Menschenrechten. Man spricht vom Wächteramt: Sie sollen Unrecht benennen.

Ein Beispiel aus der Geschichte: Von 1933 bis 1945 herrschten in Deutschland die Nationalsozialisten. Sie verfolgten Menschen, vor allem Jüdinnen und Juden. Etwa sechs Millionen europäische Jüdinnen und Juden wurden ermordet, das nennt man Holocaust. Die evangelische Kirche war gespalten. Die „Deutschen Christen“ unterstützten das Regime und wollten die Kirche seiner Ideologie anpassen. Die Bekennende Kirche widersprach der Vereinnahmung der Kirche, zum Beispiel 1934 in der Barmer Theologischen Erklärung. Zur Verfolgung der Jüdinnen und Juden schwieg aber auch sie weitgehend. Dietrich Bonhoeffer war Pfarrer und Theologe. Er beteiligte sich am Widerstand und wurde am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Viele Christinnen und Christen schwiegen aber oder machten mit. Im Oktober 1945 sprach der Rat der EKD im Stuttgarter Schuldbekenntnis aus, dass die Kirche nicht mutig genug gewesen war. Die Verbrechen an den Jüdinnen und Juden nannte es nicht ausdrücklich. Das wird bis heute kritisiert.

Heute wird diskutiert, wie weit sich Kirche einmischen soll. Dafür spricht: Der Glaube betrifft das ganze Leben, und Schweigen kann Schuld sein. Dagegen spricht: Kirche soll nicht wie eine Partei auftreten. Sie spricht für Mitglieder mit verschiedenen Meinungen.

Man kann abwägen: Geht es um Menschenwürde und Hilfe für Schwache? Dann ist Einmischung gut begründbar. Geht es um Streit zwischen Parteien? Dann ist Zurückhaltung oft klüger.

Formen kirchlicher Verantwortung.
BereichBeispiel
DiakonieKita, Pflegeheim, Beratungsstelle
SeelsorgeBegleitung im Krankenhaus
Öffentliche StimmeStellungnahme zu Frieden oder Umwelt
Historisches BeispielBarmer Erklärung 1934, Schuldbekenntnis 1945

Einmischung abwägen

  1. Frage: Soll sich die Kirche zu Hilfe für Geflüchtete äußern?
  2. Dafür: Es geht um Menschenwürde und Hilfe.
  3. Dagegen: Menschen in der Kirche haben verschiedene Meinungen.
  4. Abwägung: Die Kirche kann Hilfe fördern und trotzdem Meinungen zulassen.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Kirche hilft. Kirche mahnt.

Die Grenzen sind umstritten.

Ein Beispiel

Beispiel

Ein Nachbar sieht, wie jemand Hilfe braucht. Er fragt sich: Soll ich eingreifen? Die Kirche fragt sich das in großem Maßstab.

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt: abwägen

  1. Nenne die Frage.
  2. Sammle Argumente dafür.
  3. Sammle Argumente dagegen.
  4. Fälle ein Urteil mit Grund.

Mit einem Bild erklärt

DafürDagegen
Glaube betrifft das ganze LebenKirche soll keine Partei sein
Schweigen kann Schuld seinMitglieder haben verschiedene Meinungen

Zur Grundlage zurück

Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Was versteht man unter dem Wächteramt der Kirche?
Zeig mir den ersten Schritt

Denke an einen Wächter, der warnt.

Lösung ansehen

Lösung: Sie soll Unrecht benennen.

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Was war die Barmer Theologische Erklärung von 1934?
Zeig mir den ersten Schritt

Denke an die Bekennende Kirche.

Lösung ansehen

Lösung: Eine Erklärung der Bekennenden Kirche gegen die Vereinnahmung durch den Staat

Tipp: Sammle Argumente dafür und dagegen. Fälle dann ein Urteil mit Grund.

Merksatz: Kirche übernimmt Verantwortung durch Diakonie, Seelsorge und öffentliche Stimme. Die Grenzen werden diskutiert.

Typischer Fehler: Viele denken, Kirche dürfe sich nie einmischen. Doch Hilfe und Mahnung gehören zu ihrem Selbstverständnis.

Prüfen

Mini-Quiz

4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Die evangelische Kirche war in der NS-Zeit in sich uneinig.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Frage 2 Was sprach das Stuttgarter Schuldbekenntnis 1945 aus?
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Lösung: Die Kirche war nicht mutig genug.

Frage 3 Was ist ein Argument gegen kirchliche Einmischung?
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Lösung: Kirche soll nicht wie eine Partei auftreten.

Frage 4 Welche Aufgabe gehört zur Diakonie?
Lösung ansehen

Lösung: Beratungsstellen betreiben

Geschafft

Kirche trägt Verantwortung durch Hilfe und Stimme. Die NS-Zeit zeigt, wie wichtig Mut ist. Heute gilt es, Einmischung und Neutralität abzuwägen.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Kirche im Wandel

Kurz erklärt, 41 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

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