DYS+ Campus ist kostenlos und ohne Werbung. Projekt mit einer Spende unterstützen

Geschichte

Die „Euthanasie“-Morde: Menschen mit Behinderung

Der NS-Staat ermordete kranke und behinderte Menschen. Er nannte sie „lebensunwert“. Das war ein Verbrechen an Menschen, die ein Recht auf Leben hatten.

  • ca. 12 Minuten
  • Klasse 10
  • Niveau: Standard

Das lernst du heute

  • Ich erkläre, was mit dem Wort „Euthanasie“ verschleiert wurde.
  • Ich beschreibe Ablauf und Ende der zentralen Mordaktion.
  • Ich beurteile, warum diese Morde Unrecht waren.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Wer wurde noch verfolgt?

Das Wort Euthanasie stammt aus dem Griechischen und heißt „schöner Tod“. Die Nationalsozialisten benutzten es als Tarnwort. In Wirklichkeit war es Mord. Wir schreiben es deshalb in Anführungszeichen.

Der NS-Staat hielt Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen für „lebensunwert“. Das ist eine falsche und menschenverachtende Sicht. Jeder Mensch hat den gleichen Wert. Schon 1933 beschloss der Staat ein Gesetz zur Zwangssterilisation. Ab 1934 machten Ärzte danach Menschen gegen ihren Willen unfruchtbar.

Ab Herbst 1939 begann die Mordaktion „T4“. Der Name kommt von der Berliner Adresse Tiergartenstraße 4. Ärzte füllten Meldebögen aus. Daraufhin wurden Patientinnen und Patienten in Tötungsanstalten gebracht, etwa nach Grafeneck, Hartheim und Hadamar. Die Morde dort begannen im Januar 1940. Bis August 1941 wurden dort etwa 70 000 Menschen ermordet.

Kirchen und Angehörige protestierten. Clemens August von Galen, Bischof von Münster, kritisierte die Morde am 3. August 1941 öffentlich in einer Predigt. Im August 1941 wurde die zentrale Aktion gestoppt. Die Morde gingen aber dezentral weiter, in Kliniken und Heimen. Insgesamt starben nach Schätzungen rund 200 000 Menschen oder mehr.

Wichtige Daten.
ZeitEreignis
1933Gesetz zur Zwangssterilisation
Herbst 1939Beginn der Aktion „T4“
3.8.1941Predigt von Galens gegen die Morde
August 1941Zentrale Aktion wird gestoppt

Ein Tarnwort entschlüsseln

  1. Wir lesen das Wort „Euthanasie“.
  2. Wir fragen: Was klingt daran freundlich?
  3. Wir fragen: Was geschah in Wirklichkeit? Menschen wurden ermordet.
  4. Wir benutzen das Wort nur mit Anführungszeichen.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Der Staat ermordete kranke und behinderte Menschen.

Er nannte das „Euthanasie“. Das ist ein Tarnwort.

Jeder Mensch hat das gleiche Recht auf Leben.

Ein Beispiel

Beispiel

Ein ausgedachtes Beispiel: Ein Mann mit einer Lernbehinderung lebt in einem Heim. Auf einem Meldebogen steht nur „arbeitsunfähig“. Das genügt dem Staat als Vorwand.

Schritt für Schritt

Wir bewerten das Verbrechen

  1. Wir nennen, wen der Staat verfolgte.
  2. Wir nennen die falsche Begründung: „lebensunwert“.
  3. Wir erklären, warum sie falsch ist: Jeder Mensch hat denselben Wert.
  4. Wir halten fest: Es war Mord.

Mit einem Bild erklärt

BegriffBedeutung
„Euthanasie“Tarnwort für Mord
„lebensunwert“Menschenverachtende Behauptung
„T4“Zentrale Mordaktion 1939 bis 1941

Zur Grundlage zurück

Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Was heißt „Euthanasie“ wörtlich?
Zeig mir den ersten Schritt

Das Wort stammt aus dem Griechischen.

Lösung ansehen

Lösung: Schöner Tod

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Bis August 1941 wurden etwa 70 000 Menschen ermordet. Wie viele Tausend sind das?

Zeig mir den ersten Schritt

70 000 sind siebzig Tausend.

Lösung ansehen

Lösung: 70

Tipp: Tarnwörter erkennst du daran, dass sie ein Verbrechen freundlich klingen lassen. Setze sie in Anführungszeichen und erkläre sie.

Merksatz: Die „Euthanasie“-Morde waren die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen. Der Begriff „lebensunwert“ ist menschenverachtend.

Typischer Fehler: Viele denken, die Morde endeten mit dem Stopp der Aktion „T4“ im August 1941. Sie gingen dezentral weiter.

Prüfen

Mini-Quiz

5 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Die Morde endeten sofort, als die zentrale Aktion 1941 gestoppt wurde.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Frage 2 Wer kritisierte die Morde am 3. August 1941 öffentlich in einer Predigt?
Lösung ansehen

Lösung: Bischof von Galen

Frage 3 Was ist die richtige Haltung zum Begriff „lebensunwert“?
Lösung ansehen

Lösung: Er ist falsch, denn jeder Mensch hat den gleichen Wert.

Frage 4 Der Name „T4“ kommt von einer Adresse in Berlin.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Frage 5 Was erlaubte ein Gesetz von 1933?
Lösung ansehen

Lösung: Menschen wurden zwangsweise unfruchtbar gemacht.

Geschafft

Der NS-Staat ermordete ab 1939 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Protest stoppte die zentrale Aktion 1941, doch das Morden ging weiter.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Verfolgung, Entrechtung und Holocaust

Kurz erklärt, 43 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

PDF, 401 KB

Übungsheft herunterladen (PDF, 401 KB)

Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen