DYS+ Campus ist kostenlos und ohne Werbung. Projekt mit einer Spende unterstützen

Geschichte

Schritt für Schritt entrechtet: 1933 bis 1938

Nach 1933 nahm der NS-Staat Jüdinnen und Juden mit Gesetzen Stück für Stück ihre Rechte. Das war der Weg zur Verfolgung.

  • ca. 12 Minuten
  • Klasse 10
  • Niveau: Basis

Das lernst du heute

  • Ich beschreibe Maßnahmen gegen Jüdinnen und Juden von 1933 bis 1938.
  • Ich erkläre, was die Nürnberger Gesetze bestimmten.
  • Ich erläutere, warum man von Entrechtung spricht.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst eine dieser Lektionen: Warum scheiterte die Weimarer Republik?, Jüdinnen und Juden im 19. Jahrhundert: Gleichstellung und Ausgrenzung

Seit 1933 regierten die Nationalsozialisten. Ihre Ideologie war antisemitisch. Antisemitismus bedeutet Hass auf Jüdinnen und Juden. Die Nationalsozialisten behaupteten, Menschen seien nach „Abstammung“ verschieden viel wert. Diese „Rassenlehre“ ist falsch. Sie war nur ein Vorwand für Unrecht.

Der Staat ging in Schritten vor. Am 1. April 1933 riefen die Machthaber zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. Am 7. April 1933 folgte ein Gesetz über das Berufsbeamtentum. Danach entließ der Staat jüdische Beamte. Später durften auch jüdische Ärztinnen, Anwälte und viele andere nicht mehr arbeiten.

Am 15. September 1935 beschloss der Reichstag die Nürnberger Gesetze. Sie nahmen Jüdinnen und Juden die vollen Bürgerrechte. Sie verboten Ehen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Menschen. Wer als „jüdisch“ galt, legte der Staat bald danach in einer Verordnung fest: nach der Religion der Großeltern. Der eigene Glaube zählte nicht.

Viele Familien verloren Arbeit, Vermögen und Heimat. Hunderttausende flohen ins Ausland. Viele Länder ließen aber nur wenige Flüchtlinge ein. Wer blieb, war immer weniger geschützt.

Auswahl wichtiger Maßnahmen.
DatumMaßnahme
1.4.1933Boykott jüdischer Geschäfte
7.4.1933Jüdische Beamte werden entlassen
15.9.1935Nürnberger Gesetze
Oktober 1938Pässe jüdischer Menschen werden mit einem „J“ gekennzeichnet

Eine Maßnahme einordnen

  1. Wir lesen die Maßnahme: Jüdische Beamte werden entlassen.
  2. Wir fragen: Wen betrifft sie? Jüdische Menschen allein wegen ihrer Herkunft.
  3. Wir fragen: Was dürfen sie danach nicht mehr? Ihren Beruf ausüben.
  4. Wir ordnen ein: Das ist ein Berufsverbot und damit Entrechtung.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Der Staat nahm Jüdinnen und Juden ihre Rechte.

Erst den Beruf. Dann die Bürgerrechte.

Das war Unrecht, auch wenn es in Gesetzen stand.

Ein Beispiel

Beispiel

Ein ausgedachtes Beispiel: Ein jüdischer Lehrer ist Beamter und wird 1933 entlassen. 1935 verliert er seine Bürgerrechte. Jede Maßnahme baut auf der vorigen auf.

Schritt für Schritt

Wir ordnen Maßnahmen

  1. Wir nehmen eine Maßnahme aus der Tabelle.
  2. Wir fragen: Wer ist betroffen?
  3. Wir fragen: Welches Recht geht verloren?
  4. Wir schreiben auf: Das ist Entrechtung, weil der Staat Rechte nimmt.

Mit einem Bild erklärt

BereichWas verloren ging
ArbeitBeruf und Einkommen
BürgerrechteVolle Rechte als Bürger
PrivatlebenFreie Wahl, wen man heiratet

Zur Grundlage zurück

Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Was bedeutet Entrechtung?
Zeig mir den ersten Schritt

Das Wort enthält „Recht“.

Lösung ansehen

Lösung: Der Staat nimmt bestimmten Menschen ihre Rechte.

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

In welchem Jahr beschloss der Reichstag die Nürnberger Gesetze?

Zeig mir den ersten Schritt

Es war im September, zwei Jahre nach 1933.

Lösung ansehen

Lösung: 1935

Tipp: Prüfe bei jeder Maßnahme: Wer wird ausgeschlossen, und womit begründet der Staat das?

Merksatz: Entrechtung heißt: Der Staat nimmt bestimmten Menschen ihre Rechte. Im NS-Staat geschah das Schritt für Schritt und per Gesetz.

Typischer Fehler: Viele denken, die Verfolgung habe erst mit den Lagern begonnen. Sie begann 1933 mit Ausgrenzung, Berufsverboten und Gesetzen.

Prüfen

Mini-Quiz

5 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Was regelten die Nürnberger Gesetze?
Lösung ansehen

Lösung: Sie nahmen Jüdinnen und Juden die vollen Bürgerrechte.

Frage 2 Die „Rassenlehre“ der Nationalsozialisten ist wissenschaftlich richtig.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Frage 3 Wann begann die Verfolgung der Jüdinnen und Juden im NS-Staat?
Lösung ansehen

Lösung: Schon 1933 mit Ausgrenzung und Gesetzen

Frage 4 Der Staat bestimmte nach der Religion der Großeltern, wer als „jüdisch“ galt.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Frage 5 Was geschah am 7. April 1933?
Lösung ansehen

Lösung: Jüdische Beamte wurden entlassen.

Geschafft

Ab 1933 entrechtete der NS-Staat Jüdinnen und Juden. Er nutzte Boykott, Berufsverbote und die Nürnberger Gesetze von 1935.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Verfolgung, Entrechtung und Holocaust

Kurz erklärt, 43 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

PDF, 401 KB

Übungsheft herunterladen (PDF, 401 KB)

Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen