Die Fabel: kurz, klar, mit Lehre
Eine Fabel erzählt eine kurze Handlung mit Tieren und endet mit einer Lehre. Du liest Sätze von Phaedrus und eine eigene Fabel.
Das lernst du heute
- Ich beschreibe den Aufbau einer Fabel.
- Ich übersetze einfache Fabelsätze.
- Ich erkläre, wie der Text die Leserin oder den Leser lenkt.
Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Textsorten: Erzählung, Dialog, Rede, Brief
Eine Fabel ist eine kurze, erfundene Erzählung. Tiere handeln wie Menschen. Am Ende steht eine Lehre. Der Grieche Äsop erzählte Fabeln, vermutlich im 6. Jahrhundert v. Chr. Der Dichter Phaedrus lebte als Freigelassener in Rom. Er schrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. solche Fabeln in lateinischen Versen auf. Phaedrus beginnt die Fabel vom Wolf und vom Lamm so: Ad rivum eundem lupus et agnus venerant, siti compulsi. (Phaedrus 1,1) Übersetzungshilfen: rivus (Bach), idem (derselbe), lupus (Wolf), agnus (Lamm), sitis (Durst), compellere (treiben). Eigene Übersetzung: Zu demselben Bach waren ein Wolf und ein Lamm gekommen, vom Durst getrieben. Am Schluss steht die Lehre: Haec propter illos scripta est homines fabula, qui fictis causis innocentes opprimunt. (Phaedrus 1,1) Hilfen: fictus (erfunden), causa (Grund), innocens (unschuldig), opprimere (unterdrücken). Übersetzt: Diese Fabel ist wegen jener Menschen geschrieben, die mit erfundenen Gründen Unschuldige unterdrücken. So lenkt der Dichter die Leserin oder den Leser: Wir stehen auf der Seite des Lammes.
| Teil der Fabel | Aufgabe | Beispiel |
|---|---|---|
| Figuren | stark gegen schwach | Wolf gegen Lamm |
| Handlung | kurz, ein Konflikt | Der Wolf sucht einen Vorwand |
| Lehre | sagt, worum es geht | Wer Macht hat, erfindet Gründe |
Die Lehre übersetzen
- Wir lesen qui fictis causis innocentes opprimunt.
- qui ist ein Relativpronomen: die, welche.
- fictis causis ist Ablativ: mit erfundenen Gründen.
- innocentes opprimunt: sie unterdrücken Unschuldige.
Ich verstehe das noch nicht
Such dir aus, was dir hilft.
Noch einfacher erklärt
Eine Fabel ist kurz.
Tiere stehen für Menschen.
Die Lehre sagt, was der Dichter meint.
Ein Beispiel
Du kennst die Geschichte vom Fuchs und den Trauben. Er erreicht sie nicht und sagt: Sie sind sauer. Die Lehre: Manche machen schlecht, was sie nicht bekommen.
Schritt für Schritt
Wir lesen eine eigene kurze Fabel.
- Vulpes uvas in alta vite videt. Der Fuchs sieht Trauben an einer hohen Rebe.
- Saepe salit, sed uvas non capit. Er springt oft, aber er erreicht die Trauben nicht.
- Tandem discedit et dicit: Uvae nondum maturae sunt. Zuletzt geht er weg und sagt: Die Trauben sind noch nicht reif.
- Die Lehre: Multi id, quod non capiunt, contemnunt. Viele verachten das, was sie nicht erreichen.
Mit einem Bild erklärt
| Latein | Deutsch |
|---|---|
| Vulpes uvas videt. | Der Fuchs sieht Trauben. |
| Saepe salit. | Er springt oft. |
| Uvae nondum maturae sunt. | Die Trauben sind noch nicht reif. |
| Multi id, quod non capiunt, contemnunt. | Viele verachten das, was sie nicht erreichen. |
Zur Grundlage zurück
- Textsorten: Erzählung, Dialog, Rede, Brief – Dort lernst du Textsorten kennen.
Jetzt zusammen
Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.
Zeig mir den ersten Schritt
Was soll man aus der Geschichte mitnehmen?
Lösung ansehen
Lösung: eine Lehre
Jetzt du
Jetzt probierst du es allein.
Zeig mir den ersten Schritt
lupus ist ein Raubtier.
Lösung ansehen
Lösung: der Wolf und das Lamm
Tipp: Lies die Lehre zuerst. Sie sagt dir, worauf die ganze Fabel zielt.
Merksatz: Eine Fabel hat Figuren, eine kurze Handlung und eine Lehre. Der Erzähler lenkt unser Mitgefühl.
Typischer Fehler: Viele halten die Tiere für das Thema. Das Thema ist das Verhalten von Menschen: hier Macht und Vorwand.
Mini-Quiz
5 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.
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Lösung: der Wolf
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Lösung: vom Durst getrieben
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Lösung: auf Menschen, die Unschuldige mit erfundenen Gründen unterdrücken
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Lösung: Stimmt
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Lösung: eine einfache Aussage ohne Stilmittel
Geschafft
Eine Fabel erzählt von Tieren und meint Menschen. Die Lehre fasst zusammen, worum es geht.
Kannst du das schon?
Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.
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