Idschtihad und Qiyas: wie Gelehrte urteilen
Idschtihad heißt: sich anstrengen, um aus den Quellen ein Urteil zu finden. Qiyas ist ein Vergleich mit einem bekannten Fall.
Das lernst du heute
- Ich kann Idschtihad erklären.
- Ich kann Qiyas an einem Beispiel zeigen.
- Ich kann sagen, wann beides gebraucht wird.
Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst eine dieser Lektionen: Die großen Rechtsschulen im Überblick, Was ein Hadith ist
Manchmal gibt es für eine Frage keine ausdrückliche Antwort im Koran und in der Sunna. Dann sind Gelehrte gefragt. Das Wort Idschtihad bedeutet: sich bemühen, anstrengen. Gemeint ist die Anstrengung eines ausgebildeten Gelehrten, aus den Quellen ein Urteil zu finden. Dazu braucht man gute Kenntnisse in Sprache, Koran, Überlieferung und Methoden. Ein Werkzeug des Idschtihad ist der Qiyas, der Vergleich. Man vergleicht einen neuen Fall mit einem Fall, der in den Quellen geregelt ist. Das Beispiel nach klassischer Lehre: Der Koran verbietet den Wein (Sure 5, Vers 90). Gelehrte fragen nach dem Grund. Der Grund ist der Rausch, der den Verstand trübt. Darum schließen sie: Auch andere berauschende Dinge fallen unter dasselbe Verbot. Eine weitere Grundlage für Urteile ist der Idschma, die Übereinstimmung (der Konsens) der Gelehrten. Nicht jeder darf für andere verbindlich urteilen. Wer Fragen hat, wendet sich an Gelehrte oder an eine kundige Person.
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Idschtihad | Anstrengung, ein Urteil zu finden | Gelehrte prüfen eine neue Frage |
| Qiyas | Vergleich mit einem geregelten Fall | Wein und andere berauschende Dinge |
| Idschma | Konsens der Gelehrten | Gemeinsames Urteil |
So wendest du den Qiyas an
- Nenne den neuen Fall.
- Suche einen ähnlichen Fall in den Quellen.
- Finde den Grund der Regel.
- Übertrage die Regel, wenn der Grund gleich ist.
Ich verstehe das noch nicht
Such dir aus, was dir hilft.
Noch einfacher erklärt
Idschtihad heißt Anstrengung.
Gelehrte suchen ein Urteil.
Qiyas ist ein Vergleich.
Ein Beispiel
Eine Schulordnung nennt ein Verbot für Handys im Unterricht. Eine neue Smartwatch taucht auf. Man fragt: Ist der Grund derselbe? Das ist ähnlich wie der Qiyas.
Schritt für Schritt
Wir übertragen eine Regel durch den Vergleich.
- Alter Fall: Wein ist verboten.
- Grund: Er macht berauscht.
- Neuer Fall: eine andere berauschende Sache.
- Gleicher Grund, also gleiche Regel.
Mit einem Bild erklärt
| Schritt | Frage |
|---|---|
| 1 | Welcher Fall ist geregelt? |
| 2 | Was ist der Grund? |
| 3 | Gilt der Grund auch im neuen Fall? |
Zur Grundlage zurück
- Die großen Rechtsschulen im Überblick – Du kennst schon die Rechtsschulen.
- Was ein Hadith ist – Du weißt schon, was ein Hadith ist.
Jetzt zusammen
Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.
Zeig mir den ersten Schritt
Das Wort kommt von Anstrengung.
Lösung ansehen
Lösung: Sich anstrengen, um ein Urteil zu finden
Jetzt du
Jetzt probierst du es allein.
Zeig mir den ersten Schritt
Was verbindet den alten und den neuen Fall?
Lösung ansehen
Lösung: Einen gemeinsamen Grund bei beiden Fällen
Tipp: Der Qiyas braucht einen gemeinsamen Grund. Ähnlich sehen reicht nicht.
Merksatz: Idschtihad ist die Anstrengung der Gelehrten, ein Urteil zu finden. Der Qiyas vergleicht einen neuen Fall mit einem geregelten Fall.
Typischer Fehler: Zu denken, jede Person könne verbindliche Urteile fällen. Idschtihad verlangt Ausbildung und Kenntnisse.
Mini-Quiz
4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.
Lösung ansehen
Lösung: Das Weinverbot gilt auch für andere berauschende Dinge.
Lösung ansehen
Lösung: Stimmt nicht
Lösung ansehen
Lösung: Stimmt
Lösung ansehen
Lösung: Wenn die Quellen keine ausdrückliche Antwort geben
Geschafft
Wo die Quellen keine ausdrückliche Antwort geben, nutzen Gelehrte den Idschtihad. Ein Werkzeug ist der Qiyas, der Vergleich mit einem geregelten Fall, wenn beide denselben Grund haben.
Kannst du das schon?
Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.
Übungsheft Rechtsschulen: Vielfalt der Religionspraxis
Kurz erklärt, 40 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.
Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen