Schuld eingestehen: das Stuttgarter Schuldbekenntnis
Im Oktober 1945 bekannte die evangelische Kirche, nicht mutig genug gewesen zu sein. Die Erklärung bleibt bis heute umstritten.
Das lernst du heute
- Ich fasse zusammen, was das Stuttgarter Schuldbekenntnis sagt.
- Ich beschreibe die Bedeutung und die Kritik daran.
- Ich erkläre, warum Schuldbekenntnis und Verantwortung zusammengehören.
Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Zwischen Anpassung und Widerstand: Lebenswege
Der Krieg war im Mai 1945 zu Ende. Im August 1945 schlossen sich die evangelischen Landeskirchen zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammen. Im Oktober 1945 traf sich der Rat der EKD in Stuttgart mit Vertretern ausländischer Kirchen. Dort entstand das Stuttgarter Schuldbekenntnis.
Sinngemäß sagt es: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gekommen. Wir haben lange im Namen Jesu gegen den Geist gekämpft, der im Nationalsozialismus furchtbar sichtbar wurde. Aber wir klagen uns an: Wir haben nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt.
Die Erklärung war wichtig für einen Neuanfang. Die ausländischen Kirchen nahmen die deutschen Kirchen danach wieder in ihre Gemeinschaft auf.
Es gibt aber auch Kritik. Die Verfolgung der Jüdinnen und Juden wird nicht ausdrücklich genannt. Das Wort „wir“ bleibt allgemein. Wer hat genau was getan oder unterlassen? Das bleibt offen. 1947 stellte das Darmstädter Wort deutlicher dar, wo die Kirche politisch einen falschen Weg gegangen war. 1980 erklärte die Rheinische Landessynode ihre Mitschuld an der Verfolgung der Jüdinnen und Juden und wollte das Verhältnis zu Jüdinnen und Juden erneuern.
Christinnen und Christen glauben, dass Gott Schuld vergeben kann. Das ersetzt aber nicht die Verantwortung. Wer Schuld eingesteht, muss auch fragen: Was folgt daraus? Zum Beispiel, heute Antisemitismus zu widersprechen.
Das Schuldbekenntnis prüfen
- Aussage: Wir haben nicht mutiger bekannt.
- Frage: Was fehlt? Die ausdrückliche Nennung der Verfolgung der Jüdinnen und Juden.
- Frage: Was ist gut? Die Kirche gesteht eigene Mitverantwortung ein.
- Ergebnis: Das Bekenntnis ist ein Anfang, aber kein Schlusspunkt.
Ich verstehe das noch nicht
Such dir aus, was dir hilft.
Noch einfacher erklärt
1945 sagt die Kirche: Wir haben nicht genug getan.
Das war ein Anfang.
Später folgten klarere Worte.
Ein Beispiel
Wenn zwei Freunde streiten, hilft ein erstes „Tut mir leid“. Aber erst wenn klar ist, was genau passiert ist, kann es wirklich besser werden.
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt: ein Bekenntnis prüfen
- Lies, was zugegeben wird.
- Frage: Wer ist gemeint?
- Frage: Was wird nicht genannt?
- Urteile: Was folgt daraus?
Mit einem Bild erklärt
| Jahr | Erklärung |
|---|---|
| 1945 | Stuttgarter Schuldbekenntnis: Kirche gesteht Mitverantwortung ein |
| 1947 | Darmstädter Wort: nennt politische Irrwege |
| 1980 | Rheinische Synode: Mitschuld an der Verfolgung der Juden |
Zur Grundlage zurück
- Zwischen Anpassung und Widerstand: Lebenswege – Hier siehst du die Haltungen, auf die das Bekenntnis zurückblickt.
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Zeig mir den ersten Schritt
Der Krieg endete im Mai 1945.
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Lösung: Im Oktober 1945
Jetzt du
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Was fehlt im Text?
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Lösung: Die Verfolgung der Jüdinnen und Juden wird nicht ausdrücklich genannt.
Tipp: Lies Schuldbekenntnisse in drei Schritten: Was wird zugegeben? Was fehlt? Was folgt daraus?
Merksatz: Schuld eingestehen heißt: genau hinschauen, benennen und Verantwortung übernehmen.
Typischer Fehler: Man sagt manchmal, das Schuldbekenntnis habe alles geklärt. Es war ein Anfang. Weitere Erklärungen folgten.
Mini-Quiz
4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.
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Lösung: Evangelische Kirche in Deutschland
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Lösung: Stimmt nicht
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Lösung: Ihre Mitschuld an der Verfolgung der Juden und den Willen, das Verhältnis zu erneuern.
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Lösung: Wer Schuld eingesteht, muss auch fragen, was daraus folgt.
Geschafft
Das Stuttgarter Schuldbekenntnis von 1945 öffnete die Kirche für einen Neuanfang. Es ist umstritten, weil es die Verfolgung der Jüdinnen und Juden nicht ausdrücklich nennt. Spätere Erklärungen gingen weiter.
Kannst du das schon?
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