DYS+ Campus ist kostenlos und ohne Werbung. Projekt mit einer Spende unterstützen

Evangelische Religion

Zwischen Anpassung und Widerstand: Lebenswege

Menschen in der Kirche haben sehr unterschiedlich gehandelt: angepasst, still, mutig oder im Widerstand.

  • ca. 12 Minuten
  • Klasse 9
  • Niveau: Standard

Das lernst du heute

  • Ich beschreibe Lebenswege evangelischer Christinnen und Christen unter dem NS-Regime.
  • Ich unterscheide Haltungen zwischen Anpassung und Widerstand.
  • Ich erkläre, was hinter ihrem Handeln stand.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Antisemitismus erkennen

Es gibt nicht nur zwei Gruppen, „Täter“ und „Widerstand“. Zwischen beiden liegen viele Haltungen. Hier vier Lebenswege.

Martin Niemöller (1892–1984) war Pfarrer in Berlin-Dahlem. Anfangs begrüßte er den Umbruch von 1933. Dann sah er, wie die Kirche gefährdet wurde, und gründete den Pfarrernotbund. 1937 wurde er verhaftet. Ein Gericht verurteilte ihn 1938 zu einer Strafe, die er schon abgesessen hatte. Trotzdem blieb er auf Befehl Hitlers bis 1945 im Konzentrationslager.

Paul Schneider (1897–1939) war Pfarrer im Hunsrück. Er widersprach dem Unrecht öffentlich, auch in Predigten. 1937 wurde er verhaftet, später kam er ins KZ Buchenwald. Er wurde dort am 18. Juli 1939 ermordet.

Elisabeth Schmitz (1893–1977) war Lehrerin in Berlin und gehörte zur Bekennenden Kirche. Mitte der 1930er-Jahre schrieb sie eine Denkschrift über die Not der Menschen jüdischer Herkunft und forderte die Kirche zum Handeln auf. Später gab sie aus Protest ihren Beruf auf.

Heinrich Grüber (1891–1975) war Pfarrer in Berlin. Er half mit einem Büro evangelischen Christen jüdischer Herkunft bei der Auswanderung. Ende 1940 wurde er verhaftet, kam in Konzentrationslager, überlebte aber.

Daneben gab es viele Menschen, die schwiegen oder sich anpassten. Manche aus Angst, manche aus Überzeugung, manche aus Bequemlichkeit. Das hat auch mit der Frage zu tun: Was kostet Mut? Sich zu widersetzen, bedeutete damals Haft, Verlust des Berufs oder Lebensgefahr.

Vier Lebenswege.
PersonHaltungFolge
Martin NiemöllerVom Zustimmen zum Widerspruch, PfarrernotbundHaft in Konzentrationslagern bis 1945
Paul SchneiderÖffentlicher WiderspruchKZ Buchenwald, Tod 1939
Elisabeth SchmitzDenkschrift für VerfolgteAufgabe des Berufs
Heinrich GrüberPraktische Hilfe für VerfolgteHaft, überlebt

Haltungen unterscheiden

  1. Haltung 1: Anpassen. Man macht mit, um Probleme zu vermeiden.
  2. Haltung 2: Schweigen. Man sieht Unrecht, sagt aber nichts.
  3. Haltung 3: Helfen. Man unterstützt Verfolgte, auch heimlich.
  4. Haltung 4: Offener Widerspruch oder Widerstand. Man stellt sich öffentlich dagegen.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Manche passen sich an.

Manche schweigen.

Manche helfen. Manche widersprechen offen.

Ein Beispiel

Beispiel

In einer Klasse beleidigt jemand einen Mitschüler. Einige lachen mit, einige schauen weg, einige helfen dem Mitschüler, einer sagt laut: Das ist nicht in Ordnung. So verschieden sind Haltungen.

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt: Haltungen ordnen

  1. Lies, was die Person tut.
  2. Frage: Hilft sie, schweigt sie oder widerspricht sie?
  3. Frage: Was riskiert sie?
  4. Ordne die Haltung zu.

Mit einem Bild erklärt

HaltungBeispiel
AnpassungMitmachen, um Ärger zu vermeiden
SchweigenUnrecht sehen, aber nichts sagen
HilfeVerfolgte unterstützen
WiderspruchÖffentlich protestieren

Zur Grundlage zurück

Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Welche Haltung zeigte Heinrich Grüber?
Zeig mir den ersten Schritt

Was tat sein Büro?

Lösung ansehen

Lösung: Praktische Hilfe für Verfolgte.

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Was war an Martin Niemöllers Weg besonders?
Zeig mir den ersten Schritt

Vergleiche seine Haltung 1933 mit seiner Haltung später.

Lösung ansehen

Lösung: Er begrüßte den Umbruch zunächst und wurde dann zum Gegner.

Tipp: Frage bei jedem Lebensweg: Was riskierte die Person? Was bewirkte sie?

Merksatz: Haltungen: Anpassung, Schweigen, Hilfe, Widerspruch, Widerstand. Mut hatte einen Preis.

Typischer Fehler: Man teilt gern in „Gut“ und „Böse“. Die Wirklichkeit hatte viele Zwischentöne. Auch bekannte Widerständler haben anfangs gezögert.

Prüfen

Mini-Quiz

4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Wofür setzte sich Elisabeth Schmitz ein?
Lösung ansehen

Lösung: Für Menschen jüdischer Herkunft, mit einer Denkschrift an die Kirche.

Frage 2 Wo starb Paul Schneider?
Lösung ansehen

Lösung: Im KZ Buchenwald

Frage 3 Alle Pfarrer widersetzten sich dem Regime.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Frage 4 Warum fiel Widerspruch damals schwer?
Lösung ansehen

Lösung: Er konnte Haft, Berufsverlust oder Lebensgefahr bedeuten.

Geschafft

Evangelische Christinnen und Christen handelten sehr verschieden. Niemöller, Schneider, Schmitz und Grüber zeigen Wege des Widerspruchs und der Hilfe. Viele schwiegen oder passten sich an.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Kirche im Nationalsozialismus

Kurz erklärt, 43 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

PDF, 409 KB

Übungsheft herunterladen (PDF, 409 KB)

Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen