Zwischen Anpassung und Widerstand: Lebenswege
Menschen in der Kirche haben sehr unterschiedlich gehandelt: angepasst, still, mutig oder im Widerstand.
Das lernst du heute
- Ich beschreibe Lebenswege evangelischer Christinnen und Christen unter dem NS-Regime.
- Ich unterscheide Haltungen zwischen Anpassung und Widerstand.
- Ich erkläre, was hinter ihrem Handeln stand.
Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Antisemitismus erkennen
Es gibt nicht nur zwei Gruppen, „Täter“ und „Widerstand“. Zwischen beiden liegen viele Haltungen. Hier vier Lebenswege.
Martin Niemöller (1892–1984) war Pfarrer in Berlin-Dahlem. Anfangs begrüßte er den Umbruch von 1933. Dann sah er, wie die Kirche gefährdet wurde, und gründete den Pfarrernotbund. 1937 wurde er verhaftet. Ein Gericht verurteilte ihn 1938 zu einer Strafe, die er schon abgesessen hatte. Trotzdem blieb er auf Befehl Hitlers bis 1945 im Konzentrationslager.
Paul Schneider (1897–1939) war Pfarrer im Hunsrück. Er widersprach dem Unrecht öffentlich, auch in Predigten. 1937 wurde er verhaftet, später kam er ins KZ Buchenwald. Er wurde dort am 18. Juli 1939 ermordet.
Elisabeth Schmitz (1893–1977) war Lehrerin in Berlin und gehörte zur Bekennenden Kirche. Mitte der 1930er-Jahre schrieb sie eine Denkschrift über die Not der Menschen jüdischer Herkunft und forderte die Kirche zum Handeln auf. Später gab sie aus Protest ihren Beruf auf.
Heinrich Grüber (1891–1975) war Pfarrer in Berlin. Er half mit einem Büro evangelischen Christen jüdischer Herkunft bei der Auswanderung. Ende 1940 wurde er verhaftet, kam in Konzentrationslager, überlebte aber.
Daneben gab es viele Menschen, die schwiegen oder sich anpassten. Manche aus Angst, manche aus Überzeugung, manche aus Bequemlichkeit. Das hat auch mit der Frage zu tun: Was kostet Mut? Sich zu widersetzen, bedeutete damals Haft, Verlust des Berufs oder Lebensgefahr.
| Person | Haltung | Folge |
|---|---|---|
| Martin Niemöller | Vom Zustimmen zum Widerspruch, Pfarrernotbund | Haft in Konzentrationslagern bis 1945 |
| Paul Schneider | Öffentlicher Widerspruch | KZ Buchenwald, Tod 1939 |
| Elisabeth Schmitz | Denkschrift für Verfolgte | Aufgabe des Berufs |
| Heinrich Grüber | Praktische Hilfe für Verfolgte | Haft, überlebt |
Haltungen unterscheiden
- Haltung 1: Anpassen. Man macht mit, um Probleme zu vermeiden.
- Haltung 2: Schweigen. Man sieht Unrecht, sagt aber nichts.
- Haltung 3: Helfen. Man unterstützt Verfolgte, auch heimlich.
- Haltung 4: Offener Widerspruch oder Widerstand. Man stellt sich öffentlich dagegen.
Ich verstehe das noch nicht
Such dir aus, was dir hilft.
Noch einfacher erklärt
Manche passen sich an.
Manche schweigen.
Manche helfen. Manche widersprechen offen.
Ein Beispiel
In einer Klasse beleidigt jemand einen Mitschüler. Einige lachen mit, einige schauen weg, einige helfen dem Mitschüler, einer sagt laut: Das ist nicht in Ordnung. So verschieden sind Haltungen.
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt: Haltungen ordnen
- Lies, was die Person tut.
- Frage: Hilft sie, schweigt sie oder widerspricht sie?
- Frage: Was riskiert sie?
- Ordne die Haltung zu.
Mit einem Bild erklärt
| Haltung | Beispiel |
|---|---|
| Anpassung | Mitmachen, um Ärger zu vermeiden |
| Schweigen | Unrecht sehen, aber nichts sagen |
| Hilfe | Verfolgte unterstützen |
| Widerspruch | Öffentlich protestieren |
Zur Grundlage zurück
- Antisemitismus erkennen – Hier kannst du nachlesen, was Antisemitismus bedeutet.
Jetzt zusammen
Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.
Zeig mir den ersten Schritt
Was tat sein Büro?
Lösung ansehen
Lösung: Praktische Hilfe für Verfolgte.
Jetzt du
Jetzt probierst du es allein.
Zeig mir den ersten Schritt
Vergleiche seine Haltung 1933 mit seiner Haltung später.
Lösung ansehen
Lösung: Er begrüßte den Umbruch zunächst und wurde dann zum Gegner.
Tipp: Frage bei jedem Lebensweg: Was riskierte die Person? Was bewirkte sie?
Merksatz: Haltungen: Anpassung, Schweigen, Hilfe, Widerspruch, Widerstand. Mut hatte einen Preis.
Typischer Fehler: Man teilt gern in „Gut“ und „Böse“. Die Wirklichkeit hatte viele Zwischentöne. Auch bekannte Widerständler haben anfangs gezögert.
Mini-Quiz
4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.
Lösung ansehen
Lösung: Für Menschen jüdischer Herkunft, mit einer Denkschrift an die Kirche.
Lösung ansehen
Lösung: Im KZ Buchenwald
Lösung ansehen
Lösung: Stimmt nicht
Lösung ansehen
Lösung: Er konnte Haft, Berufsverlust oder Lebensgefahr bedeuten.
Geschafft
Evangelische Christinnen und Christen handelten sehr verschieden. Niemöller, Schneider, Schmitz und Grüber zeigen Wege des Widerspruchs und der Hilfe. Viele schwiegen oder passten sich an.
Kannst du das schon?
Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.
Übungsheft Kirche im Nationalsozialismus
Kurz erklärt, 43 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.
Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen