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Deutsch

Was macht eine Kurzgeschichte aus?

Kurzgeschichten erzählen einen kurzen Ausschnitt aus dem Alltag. Du lernst ihre wichtigsten Merkmale kennen und erkennst sie in einem Text.

  • ca. 11 Minuten
  • Klasse 8
  • Niveau: Basis

Das lernst du heute

  • Ich kann typische Merkmale einer Kurzgeschichte nennen.
  • Ich kann einen Text daraufhin prüfen, ob er eine Kurzgeschichte ist.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst eine dieser Lektionen: Handlung und Konflikt, Wer erzählt? Erzählform und Perspektive

Eine Kurzgeschichte ist ein kurzer Erzähltext. Sie wurde vor allem im 20. Jahrhundert beliebt. Typische Merkmale sind: geringer Umfang, ein Ausschnitt aus dem Alltag, wenige Figuren, ein kurzer Zeitraum, ein unmittelbarer Anfang (ohne lange Einleitung), ein Wendepunkt und ein offenes Ende. Oft erfährt man wenig über die Figuren. Vieles wird nur angedeutet, und die Lesenden müssen es selbst ergänzen. Ein bekanntes Beispiel aus der Literatur ist die Kurzgeschichte „Das Brot“ von Wolfgang Borchert. Hier arbeitest du aber mit eigenen, frei erfundenen Texten.

Ein Ausflug: Lena und Ben wollten am Samstag ins Schwimmbad. Sie hatten sich schon lange darauf gefreut. Am Morgen packten sie ihre Taschen, aßen in Ruhe ein Frühstück und fuhren mit dem Fahrrad los. Im Schwimmbad trafen sie Freunde, spielten den ganzen Tag im Wasser und gingen am Abend zufrieden nach Hause. Alle waren glücklich.
Ein Text, der keine Kurzgeschichte ist.

Merkmale prüfen

  1. Lies den Text „Ein Ausflug“ und die Geschichte „Haltestelle Süd“.
  2. Anfang: Im Text „Ein Ausflug“ gibt es eine Einleitung („wollten am Samstag ins Schwimmbad“). In „Haltestelle Süd“ steht die Figur sofort mitten in einer Situation.
  3. Zeitraum: „Ein Ausflug“ erzählt einen ganzen Tag. „Haltestelle Süd“ erzählt eine Busfahrt, also wenige Minuten.
  4. Ende: „Ein Ausflug“ endet geschlossen („Alle waren glücklich“). „Haltestelle Süd“ endet offen.
  5. Wendepunkt: Im Ausflug passiert nichts Überraschendes. In der Busgeschichte ändert sich Frau Aksoys Haltung.
  6. Ergebnis: „Haltestelle Süd“ ist eine Kurzgeschichte, „Ein Ausflug“ nicht.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Kurz.

Alltag.

Mitten hinein.

Wendepunkt.

Ende offen.

Ein Beispiel

Beispiel

Stell dir vor, du siehst nur einen Moment aus einem Film, mitten in einer Szene. Du weißt nicht alles, aber du ahnst viel. So wirkt eine Kurzgeschichte.

Schritt für Schritt

Wir prüfen den Text „Haltestelle Süd“.

  1. Anfang: Mitten in einer Busfahrt, ohne Einleitung.
  2. Zeit: wenige Minuten.
  3. Figuren: Frau Aksoy und ein Junge.
  4. Ende: offen, denn man erfährt nicht, wie es weitergeht.

Mit einem Bild erklärt

MerkmalHaltestelle SüdEin Ausflug
Anfangmitten in der Situationmit Einleitung
Zeitraumwenige Minutenein ganzer Tag
Wendepunktja (Z. 9–10)nein
Endeoffengeschlossen

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Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Lies die Geschichte. Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas. Wie beginnt der Text?
Zeig mir den ersten Schritt

Lies den ersten Satz.

Lösung ansehen

Lösung: mitten in einer Situation, ohne Einleitung

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Lies die Geschichte. Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas. Wie viel Zeit vergeht in der Geschichte?
Zeig mir den ersten Schritt

Wo spielt die Geschichte, und wie lange dauert diese Situation?

Lösung ansehen

Lösung: wenige Minuten

Tipp: Prüfe drei Dinge: Wie fängt der Text an? Wie lange dauert das Geschehen? Wie hört er auf?

Merksatz: Kurzgeschichte: kurzer Ausschnitt, Alltag, wenige Figuren, unmittelbarer Anfang, Wendepunkt, offenes Ende.

Typischer Fehler: Viele denken: „Alles Kurze ist eine Kurzgeschichte.“ Aber auch kurze Texte können eine Einleitung, einen langen Zeitraum und ein geschlossenes Ende haben. Dann sind es einfach kurze Erzählungen.

Prüfen

Mini-Quiz

4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Lies den Text. Ein Ausflug: Lena und Ben wollten am Samstag ins Schwimmbad. Sie hatten sich schon lange darauf gefreut. Am Morgen packten sie ihre Taschen, aßen in Ruhe ein Frühstück und fuhren mit dem Fahrrad los. Im Schwimmbad trafen sie Freunde, spielten den ganzen Tag im Wasser und gingen am Abend zufrieden nach Hause. Alle waren glücklich. Warum ist er keine Kurzgeschichte?
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Lösung: Er hat eine Einleitung, erzählt einen ganzen Tag und endet geschlossen.

Frage 2 Was bedeutet „offenes Ende“?
Lösung ansehen

Lösung: Die Lesenden müssen sich selbst überlegen, wie es weitergeht.

Frage 3 Eine Kurzgeschichte erzählt meistens von einem kurzen Ausschnitt aus dem Alltag.
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Lösung: Stimmt

Frage 4 Jeder kurze Text ist eine Kurzgeschichte.
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Lösung: Stimmt nicht

Geschafft

Eine Kurzgeschichte erzählt kurz einen Ausschnitt aus dem Alltag. Typisch sind ein unmittelbarer Anfang, ein Wendepunkt und ein offenes Ende.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

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