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Deutsch

Offener Anfang, offenes Ende

Kurzgeschichten beginnen mitten in der Handlung und hören oft auf, bevor alles geklärt ist. Das fordert die Lesenden zum Mitdenken auf.

  • ca. 11 Minuten
  • Klasse 8
  • Niveau: Standard

Das lernst du heute

  • Ich kann Anfang und Ende einer Kurzgeschichte beschreiben.
  • Ich kann erklären, was ein offenes Ende bewirkt, und eine mögliche Fortsetzung entwickeln.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Eine Geschichte fortsetzen

Viele Kurzgeschichten haben einen unmittelbaren Anfang. Der Text beginnt ohne Vorstellung der Figuren, ohne Ort und Zeit zu erklären. Man ist sofort mittendrin und erfährt Einzelheiten nach und nach. Das erzeugt Spannung. Das offene Ende lässt wichtige Fragen unbeantwortet. Es gibt keine Lösung und keine Moral. Die Lesenden denken selbst weiter. Dabei entstehen Leerstellen: Dinge, die der Text nicht sagt. Ein offenes Ende ist Absicht, nicht ein Fehler.

Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas.
Eine Geschichte mit offenem Anfang und offenem Ende.

Anfang und Ende untersuchen

  1. Anfang (Z. 1): „Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür.“ Es gibt keine Einleitung. Die Situation ist sofort da.
  2. Was erfährt man später? Der Junge und sein Rucksack. Das baut Spannung auf.
  3. Ende (Z. 13): Frau Aksoy hält die Hand noch ausgestreckt, „als trüge sie etwas“.
  4. Was bleibt offen? Wie es Frau Aksoy damit geht. Und ob sie den Jungen wiedersieht.
  5. Wirkung: Die Lesenden überlegen, was die Szene für Frau Aksoy bedeutet.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Anfang: gleich mittendrin.

Ende: Frage bleibt offen.

Leerstellen: Ich denke weiter.

Ein Beispiel

Beispiel

Du kommst mitten in ein Gespräch, hörst nur einen Teil und gehst wieder. Du fragst dich danach, wie es weiterging. Genau das tun Lesende bei einer Kurzgeschichte.

Schritt für Schritt

Wir untersuchen den Schluss.

  1. Lies Zeile 13 genau.
  2. Was tut Frau Aksoy? Sie hält die Hand noch ausgestreckt.
  3. Was bedeutet das? Der Moment mit dem Jungen wirkt nach.
  4. Was bleibt offen? Wie es weitergeht.

Mit einem Bild erklärt

FrageAntwort in „Haltestelle Süd“
Wie beginnt die Geschichte?mitten im Alltag, ohne Einleitung
Was bleibt offen?Was der Moment für Frau Aksoy bedeutet
Welche Wirkung hat das?Die Lesenden denken weiter

Zur Grundlage zurück

Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Lies die Geschichte. Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas. Was bleibt am Ende offen?
Zeig mir den ersten Schritt

Lies noch einmal Zeile 13.

Lösung ansehen

Lösung: wie sich Frau Aksoy nach dem Erlebnis fühlt und ob sie den Jungen wiedersieht

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Lies die Geschichte. Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas. Welche Wirkung hat der unmittelbare Anfang?
Zeig mir den ersten Schritt

Was erfährst du im ersten Satz, was nicht?

Lösung ansehen

Lösung: Man ist sofort in der Situation und möchte mehr erfahren.

Tipp: Frage dich am Ende: Was weiß ich jetzt? Was weiß ich nicht? Das Offene gehört zur Geschichte.

Merksatz: Unmittelbarer Anfang: mitten in die Szene. Offenes Ende: keine Lösung, die Lesenden denken weiter.

Typischer Fehler: Viele halten ein offenes Ende für ein „kaputtes“ Ende oder meinen, der Autor habe vergessen, es zu schreiben. Es ist aber Absicht.

Prüfen

Mini-Quiz

4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Was ist eine Leerstelle?
Lösung ansehen

Lösung: etwas, das der Text nicht sagt und das die Lesenden selbst ergänzen

Frage 2 Welcher Satz könnte ein offenes Ende sein?
Lösung ansehen

Lösung: Sie legte den Zettel in die Tasche und ging langsam zur Tür.

Frage 3 Ein offenes Ende bedeutet, dass die Autorin das Ende vergessen hat.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Frage 4 Ein unmittelbarer Anfang beginnt ohne lange Einleitung.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Geschafft

Kurzgeschichten beginnen unmittelbar und enden oft offen. Das erzeugt Spannung und lässt Raum für eigene Gedanken.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

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