Anpassen, mitmachen, widerstehen
Zwischen Begeisterung und Widerstand gab es viele Verhaltensweisen. Wer sie unterscheidet, versteht Handlungsspielräume besser.
Das lernst du heute
- Ich unterscheide Verhaltensweisen in der NS-Diktatur.
- Ich erörtere an Beispielen Handlungsspielräume.
- Ich begründe, warum man das Verhalten der Menschen nicht allein mit Zwang erklären kann.
Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Frauen und Männer im NS-Staat
Nach 1933 verhielten sich Menschen sehr unterschiedlich. Man kann ihr Verhalten grob ordnen.
Zustimmung: Manche glaubten an die Ideologie und machten begeistert mit. Anpassung: Andere passten sich an, um Nachteile zu vermeiden. Sie traten Organisationen bei oder befolgten Vorschriften. Wegsehen: Viele sahen weg, wenn Nachbarn ausgegrenzt wurden. Anzeigen: Manche zeigten andere an. Viele Verfahren der Geheimen Staatspolizei begannen mit Hinweisen aus der Bevölkerung. Mitwirken: Manche halfen bei Verfolgung, zum Beispiel in Behörden. Helfen: Einige unterstützten Verfolgte heimlich. Widerstand: Wenige handelten bewusst gegen das Regime.
Die Spielräume waren nicht für alle gleich. Wer verfolgt wurde, hatte kaum Wahl. Wer zur „Volksgemeinschaft“ zählte, hatte oft mehr Möglichkeiten. Wer sich weigerte, riskierte Nachteile oder schlimmere Folgen.
Wichtig ist: Zwang erklärt nicht alles. Viele machten freiwillig mit, weil sie Vorteile sahen. Andere ließen sich einschüchtern. Es gibt keine einfache Antwort. Die Forschung unterscheidet deshalb Haltungen und fragt, wer welche Möglichkeiten hatte.
Ein ausgedachtes Beispiel: In einer Kleinstadt meiden plötzlich viele Kundinnen und Kunden einen jüdischen Laden. Eine Nachbarin sieht zu. Ein Lehrer entscheidet, ob er mitmacht. Jede Person hat eine Wahl, aber nicht jede dieselbe.
| Haltung | Kurz erklärt | Beispiel (ausgedacht) |
|---|---|---|
| Zustimmung | Aus Überzeugung mitmachen | Tritt begeistert einer Organisation bei |
| Anpassung | Mitmachen, um Nachteile zu vermeiden | Befolgt Vorschriften, ohne zu widersprechen |
| Wegsehen | Nichts sagen und nichts tun | Sieht Ausgrenzung und schweigt |
| Anzeigen | Andere bei Polizei oder Gestapo melden | Meldet eine Nachbarin |
| Helfen | Verfolgten heimlich beistehen | Versteckt eine Familie |
| Widerstand | Bewusst gegen das Regime handeln | Verteilt Flugblätter |
Handlungsspielräume beurteilen
- Wir wählen eine Person, zum Beispiel eine Lehrerin.
- Wir fragen: Welche Möglichkeiten hatte sie? Mitmachen, schweigen, widersprechen.
- Wir fragen: Welches Risiko gab es? Entlassung, Ärger, Haft.
- Wir urteilen: Es gab Spielräume, aber das Risiko war unterschiedlich groß.
Ich verstehe das noch nicht
Such dir aus, was dir hilft.
Noch einfacher erklärt
Mitmachen.
Wegsehen.
Helfen oder widerstehen.
Ein Beispiel
In einer Klasse wird jemand gemobbt. Einige machen mit, einige sehen weg, einige helfen. Alle hatten eine Wahl. Die Folgen waren aber verschieden.
Schritt für Schritt
Wir ordnen Haltungen
- Wir lesen eine Beschreibung: „Er sah weg und sagte nichts.“
- Wir ordnen zu: Das ist Wegsehen.
- Wir fragen: Welche Folgen hatte das? Der Betroffene blieb allein.
- Wir halten fest: Auch Wegsehen ist eine Entscheidung.
Mit einem Bild erklärt
| Haltung | Wirkung auf den Staat |
|---|---|
| Zustimmung | Stärkt das Regime |
| Wegsehen | Lässt das Regime gewähren |
| Helfen und Widerstand | Schwächt oder bremst das Regime |
Zur Grundlage zurück
- Frauen und Männer im NS-Staat – Du kennst Rollenbilder und Handlungsspielräume.
Jetzt zusammen
Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.
Zeig mir den ersten Schritt
Denke an Nachteile.
Lösung ansehen
Lösung: Mitmachen, um Nachteile zu vermeiden
Jetzt du
Jetzt probierst du es allein.
Zeig mir den ersten Schritt
Lies den dritten Absatz.
Lösung ansehen
Lösung: Sie waren für verschiedene Menschen unterschiedlich groß.
Tipp: Ein Urteil über Menschen braucht drei Fragen: Was konnte die Person tun? Was riskierte sie? Was hat sie getan?
Merksatz: Menschen verhielten sich sehr unterschiedlich: Zustimmung, Anpassung, Wegsehen, Mitwirken, Helfen oder Widerstand. Spielräume waren ungleich verteilt.
Typischer Fehler: Viele erklären alles mit Zwang. Zwang erklärt nicht alles. Viele machten freiwillig mit.
Mini-Quiz
5 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.
Lösung ansehen
Lösung: Mit Hinweisen aus der Bevölkerung
Lösung ansehen
Lösung: Stimmt nicht
Lösung ansehen
Lösung: Ausgrenzung bemerken, aber nichts sagen oder tun
Lösung ansehen
Lösung: Stimmt
Lösung ansehen
Lösung: Was konnte die Person tun, und was riskierte sie?
Geschafft
Es gab viele Haltungen zwischen Begeisterung und Widerstand. Wer sie unterscheidet, versteht die Zeit besser.
Kannst du das schon?
Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.
Übungsheft NS-Ideologie und Alltag in der Diktatur
Kurz erklärt, 41 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.
Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen