DYS+ Campus ist kostenlos und ohne Werbung. Projekt mit einer Spende unterstützen

Politik und Wirtschaft

Was ist gerecht? Maßstäbe vergleichen

Gerechtigkeit kann Verschiedenes heißen. Wer sie beurteilt, muss Maßstäbe vergleichen.

  • ca. 12 Minuten
  • Klasse 9
  • Niveau: Plus

Das lernst du heute

  • Ich nenne Gerechtigkeitsmaßstäbe.
  • Ich wende sie auf Beispiele an.
  • Ich begründe ein eigenes Urteil.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Das Existenzminimum sichern: die Grundsicherung

Soziale Gerechtigkeit ist ein Ziel, über das viele Menschen streiten. Nicht alle verstehen darunter dasselbe. Vier Maßstäbe kommen oft vor.

Leistungsgerechtigkeit: Wer mehr leistet, soll mehr bekommen. Bedarfsgerechtigkeit: Wer mehr braucht, soll mehr Unterstützung bekommen. Gleichheit: Alle bekommen dasselbe. Chancengerechtigkeit: Alle sollen gleiche Chancen haben, unabhängig von Herkunft und Einkommen der Eltern.

Die Maßstäbe können sich widersprechen. Ein Beispiel: Ein Kind aus einer Familie mit wenig Geld braucht vielleicht mehr Unterstützung in der Schule (Bedarf, Chancengerechtigkeit). Gleichzeitig sagen manche, wer sich mehr anstrengt, soll auch mehr haben (Leistung). Das lässt sich nicht immer in Einklang bringen.

Wenn du etwas beurteilst, hilft ein Vorgehen: Maßstab nennen, Beispiel prüfen, Argumente sammeln, Gegenargumente bedenken, begründet entscheiden. Dein Urteil darf anders ausfallen als das deiner Mitschülerinnen und Mitschüler. Wichtig ist, dass du es begründest.

Auch der Staat muss Maßstäbe abwägen: Steuern, Sozialleistungen und Bildung werden danach gestaltet. Hier werden keine Parteien oder Personen bewertet.

Gerechtigkeitsmaßstäbe.
MaßstabLeitfrageBeispiel
LeistungWer mehr leistet, bekommt mehr?Höhere Rente bei höheren Beiträgen
BedarfWer mehr braucht, bekommt mehr?Mehr Hilfe bei Pflegebedürftigkeit
GleichheitBekommen alle dasselbe?Kindergeld je Kind
ChancenHaben alle gleiche Startchancen?Förderung in der Schule

Einen Fall prüfen

  1. Fall: Der Staat zahlt Zuschüsse für Schulmaterial nur für Familien mit niedrigem Einkommen.
  2. Maßstab: Bedarfsgerechtigkeit und Chancengerechtigkeit.
  3. Argument dafür: Alle Kinder können gleich gut lernen.
  4. Argument dagegen: Familien knapp über der Grenze bekommen nichts.
  5. Urteil: Eine Begründung mit beiden Seiten.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Leistung, Bedarf, Gleichheit, Chancen.

Man muss abwägen.

Begründe dein Urteil.

Ein Beispiel

Beispiel

Eine Klassenkasse: Soll jeder gleich viel zahlen, oder zahlt jeder nach seinen Möglichkeiten? Beides lässt sich begründen.

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt: ein Urteil bilden

  1. Maßstab nennen.
  2. Beispiel prüfen.
  3. Argumente sammeln.
  4. Gegenargumente bedenken.
  5. Urteil begründen.

Mit einem Bild erklärt

SchrittFrage
1Welcher Maßstab?
2Was spricht dafür?
3Was spricht dagegen?
4Wie lautet das begründete Urteil?

Zur Grundlage zurück

Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Welcher Maßstab passt zu „Wer mehr braucht, bekommt mehr Hilfe“?
Zeig mir den ersten Schritt

Was entscheidet: Leistung, Bedarf oder gleiche Anteile?

Lösung ansehen

Lösung: Bedarfsgerechtigkeit

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Was bedeutet Chancengerechtigkeit?
Zeig mir den ersten Schritt

Es geht um den Start, nicht um das Ergebnis.

Lösung ansehen

Lösung: Alle sollen gleiche Chancen haben.

Tipp: Nenne den Maßstab, bevor du urteilst. So wird dein Urteil klar.

Merksatz: Maßstäbe: Leistung, Bedarf, Gleichheit, Chancen. Sie können sich widersprechen.

Typischer Fehler: Viele halten ihren eigenen Maßstab für den einzig richtigen. Gerechtigkeit hat mehrere Seiten.

Prüfen

Mini-Quiz

4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Es gibt nur einen richtigen Maßstab für Gerechtigkeit.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Frage 2 Was gehört zu einem begründeten Urteil?
Lösung ansehen

Lösung: Argumente, Gegenargumente und eine Entscheidung

Frage 3 Welches Beispiel passt zur Leistungsgerechtigkeit?
Lösung ansehen

Lösung: Höhere Rente bei höheren Beiträgen

Frage 4 Warum können Maßstäbe sich widersprechen?
Lösung ansehen

Lösung: Sie verfolgen verschiedene Ziele.

Geschafft

Gerechtigkeit kann Verschiedenes heißen. Man vergleicht Maßstäbe, wägt ab und begründet sein Urteil.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Arm und reich

Kurz erklärt, 41 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

PDF, 397 KB

Übungsheft herunterladen (PDF, 397 KB)

Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen