DYS+ Campus ist kostenlos und ohne Werbung. Projekt mit einer Spende unterstützen

Geschichte

1949: Zwei Staaten in West- und Ostbündnissen

1949 entstanden die Bundesrepublik und die DDR. Beide wurden Schritt für Schritt in Bündnisse eingebunden und bekamen mehr Rechte.

  • ca. 12 Minuten
  • Klasse 10
  • Niveau: Standard

Das lernst du heute

  • Ich beschreibe die Gründung beider Staaten.
  • Ich nenne die Bündnisse, in die sie eingebunden wurden.
  • Ich erkläre den Zusammenhang zwischen Bündnissen und Souveränität.
  • Ich erkläre den Zielkonflikt zwischen Westbindung und Einheit.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: 1945 bis 1949: Neubeginn in den Besatzungszonen

Am 23. Mai 1949 verkündete der Parlamentarische Rat in den Westzonen das Grundgesetz. Damit entstand die Bundesrepublik Deutschland (BRD) mit der Hauptstadt Bonn. Am 7. Oktober 1949 wurde in der Ostzone die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet, mit der Hauptstadt Ost-Berlin.

Beide Staaten waren zunächst nicht voll souverän. Souveränität heißt: Ein Staat bestimmt allein über seine Politik. In der BRD behielten die Westmächte wichtige Rechte. In der DDR hatte die Sowjetunion großen Einfluss und ließ Truppen im Land.

Schritt für Schritt wurden beide Staaten in Bündnisse eingebunden. Die BRD trat 1951 der Montanunion bei und gehörte 1957 zu den Gründern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Nach den Pariser Verträgen endete am 5. Mai 1955 das Besatzungsstatut. Das waren die Regeln, mit denen die Westmächte die Bundesrepublik kontrollierten. Am 9. Mai 1955 wurde die BRD Mitglied der NATO. Die DDR war schon 1950 dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe beigetreten. 1955 wurde sie Mitglied im Warschauer Pakt. Im September 1955 erklärte die Sowjetunion die DDR für souverän.

Die Einbindung brachte Sicherheit und Rechte, aber auch Abhängigkeit. Die Siegermächte behielten bis 1990 Vorbehaltsrechte für Berlin und für Deutschland als Ganzes. Vollständig souverän wurde Deutschland erst 1990.

Westbindung oder Einheit?

Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) verfolgte ein klares Ziel: Die Bundesrepublik sollte fest zum Westen gehören. Das nennt man Westbindung. Sie sollte Sicherheit, Freiheit und Wohlstand bringen. Auch Adenauer wollte die Einheit Deutschlands. Er glaubte aber, sie sei nur in Freiheit und aus einer starken Lage heraus zu erreichen. Die SPD unter Kurt Schumacher fürchtete dagegen, die Westbindung mache die Teilung dauerhaft.

Am 10. März 1952 schickte die Sowjetunion den Westmächten eine Note. Eine Note ist ein offizielles Schreiben zwischen Staaten. Man nennt sie Stalin-Note. Darin bot Stalin ein vereintes Deutschland an. Es sollte neutral sein, also keinem Bündnis angehören, und eine eigene Armee haben. Die Besatzungstruppen sollten abziehen.

Die Westmächte und Adenauer lehnten ab. Sie forderten zuerst freie Wahlen in ganz Deutschland unter Aufsicht der Vereinten Nationen. Weitere Noten folgten bis zum Herbst 1952, ohne Ergebnis. Ob Stalin das Angebot ernst meinte, ist bis heute umstritten. Manche sehen darin eine verpasste Chance, andere ein Manöver gegen die Westbindung.

Die Bundesrepublik sah sich als einzigen rechtmäßigen deutschen Staat, denn nur ihre Regierung war frei gewählt. Deshalb beanspruchte sie, für alle Deutschen zu sprechen. Das heißt Alleinvertretungsanspruch. Ab 1955 galt die Hallstein-Doktrin, benannt nach dem Staatssekretär Walter Hallstein. Eine Doktrin ist ein fester Grundsatz. Er lautete: Erkennt ein anderer Staat die DDR an, kann die Bundesrepublik die Beziehungen zu ihm abbrechen. 1957 tat sie das zum Beispiel gegenüber Jugoslawien.

Die DDR sah es anders. Ihre erste Verfassung von 1949 nannte Deutschland eine „unteilbare demokratische Republik“. Auch die SED sprach damals von Einheit, aber nach ihren eigenen, sozialistischen Vorstellungen. Ab Mitte der 1950er-Jahre vertraten die Sowjetunion und die DDR die Ansicht, es gebe nun zwei deutsche Staaten. Die DDR wollte als eigener Staat anerkannt werden. Beide Regierungen hatten also Ziele. Über die deutsche Frage entschieden aber vor allem die Siegermächte.

Zwei Staaten in zwei Bündnissen.
BundesrepublikDDR
Gründung23.5.19497.10.1949
WirtschaftsbündnisMontanunion 1951, EWG 1957Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe 1950
MilitärbündnisNATO 1955Warschauer Pakt 1955
EinflussWestmächteSowjetunion

Zusammenhang erklären

  1. Wir nennen den Beitritt zum Bündnis.
  2. Wir nennen den Gewinn an Rechten.
  3. Wir nennen die Abhängigkeit.
  4. Wir formulieren: Bündnisse gaben Rechte zurück und banden zugleich.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Zwei Staaten 1949.

Beide treten Bündnissen bei.

Sie werden freier, bleiben aber gebunden.

Ein Beispiel

Beispiel

Ein Verein bekommt mehr Rechte, wenn er einem Verband beitritt. Dafür muss er sich an gemeinsame Regeln halten.

Schritt für Schritt

Wir ordnen Staat und Bündnis zu

  1. Wir nennen beide Staaten und das Gründungsjahr.
  2. Wir ordnen jedem Staat sein Bündnis zu.
  3. Wir nennen das Jahr 1955.
  4. Wir erklären: Mehr Rechte, aber Bindung.

Mit einem Bild erklärt

JahrEreignis
1949Gründung der BRD und der DDR
1951Montanunion
1955NATO-Beitritt der BRD, Warschauer Pakt mit der DDR
1957Römische Verträge, EWG

Zur Grundlage zurück

Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Wann wurde die Bundesrepublik gegründet?
Zeig mir den ersten Schritt

Es war im Mai.

Lösung ansehen

Lösung: Am 23. Mai 1949

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Welches Bündnis gehörte zur DDR?
Zeig mir den ersten Schritt

Denke an die Himmelsrichtung.

Lösung ansehen

Lösung: Der Warschauer Pakt

Tipp: Souveränität kam in Schritten. Zwischen 1949 und 1990 lagen mehrere Etappen.

Merksatz: 1949 entstanden die BRD und die DDR. Mit dem Beitritt zur NATO oder zum Warschauer Pakt 1955 bekamen beide mehr Souveränität, blieben aber an ihre Bündnisse gebunden.

Typischer Fehler: Viele denken, die Staaten seien 1949 sofort völlig frei gewesen. Volle Souveränität kam erst 1990.

Prüfen

Mini-Quiz

7 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Was bedeutet Souveränität?
Lösung ansehen

Lösung: Ein Staat bestimmt allein über seine Politik.

Frage 2 Die Bundesrepublik wurde 1955 Mitglied der NATO.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Frage 3 Was brachte die Einbindung in Bündnisse den beiden Staaten?
Lösung ansehen

Lösung: Mehr Rechte, aber auch Abhängigkeit.

Frage 4 Die Hauptstadt der Bundesrepublik war Bonn.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Frage 5 Wann wurde Deutschland vollständig souverän?
Lösung ansehen

Lösung: 1990

Frage 6 Was bot die Stalin-Note vom März 1952 an?
Lösung ansehen

Lösung: Ein vereintes, neutrales Deutschland mit eigener Armee

Frage 7 Was besagte die Hallstein-Doktrin?
Lösung ansehen

Lösung: Erkennt ein Staat die DDR an, kann die Bundesrepublik die Beziehungen zu ihm abbrechen.

Geschafft

Zwei Staaten, zwei Bündnisse. Mehr Rechte gab es im Tausch gegen Einbindung.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Zwei deutsche Staaten

Kurz erklärt, 40 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

PDF, 395 KB

Übungsheft herunterladen (PDF, 395 KB)

Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen