DYS+ Campus ist kostenlos und ohne Werbung. Projekt mit einer Spende unterstützen

Geschichte

Die NS-Verbrechen vor Gericht

Nach 1945 mussten sich Verantwortliche für die NS-Verbrechen vor Gericht verantworten. In West und Ost verlief die Aufarbeitung unterschiedlich.

  • ca. 12 Minuten
  • Klasse 10
  • Niveau: Standard

Das lernst du heute

  • Ich beschreibe Prozesse gegen NS-Täter.
  • Ich erkläre, wozu Gerichtsverfahren dienen.
  • Ich bewerte die juristische Aufarbeitung in Ost und West.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Aussöhnung mit Frankreich, Polen und Israel

Nach der Befreiung 1945 stellte sich die Frage: Wer ist für die Verbrechen verantwortlich? Von November 1945 bis Oktober 1946 verhandelte der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg gegen die Hauptverantwortlichen. Richter aus den USA, der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich urteilten gemeinsam. 22 Angeklagte standen vor Gericht. Zwölf wurden zum Tod verurteilt, drei freigesprochen. Erstmals wurden Menschen wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilt. Später folgten zwölf weitere Prozesse, zum Beispiel gegen Ärzte und Richter.

In der Bundesrepublik wurden viele Täter nicht bestraft. Zu Beginn der 1950er-Jahre wollten viele Menschen einen Schlussstrich ziehen. Erst später kam Bewegung in die Sache. 1958 wurde in Ludwigsburg eine Zentrale Stelle gegründet, die NS-Verbrechen untersuchte. Von 1963 bis 1965 fand in Frankfurt am Main der Auschwitz-Prozess statt. Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer hatte ihn möglich gemacht. Viele Menschen erfuhren dadurch zum ersten Mal ausführlich, was in Auschwitz geschehen war. 1979 hob der Bundestag die Verjährung für Mord auf. Damit konnten NS-Täter auch später noch verfolgt werden.

Auch Israel führte Prozesse. 1961 begann in Jerusalem der Prozess gegen Adolf Eichmann. Er hatte die Deportationen organisiert. Er wurde 1962 hingerichtet.

In der DDR sah man sich als antifaschistischer Staat. Es gab Prozesse gegen NS-Täter. Es gab aber auch Verfahren, die nicht rechtsstaatlich waren, zum Beispiel die Waldheimer Prozesse von 1950. Viele Täter fanden in beiden deutschen Staaten Wege, straffrei zu bleiben.

Wichtige Prozesse.
ProzessZeitBesonderheit
Nürnberger Hauptprozess1945 bis 1946Internationales Gericht, Begriff „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“
Eichmann-Prozess1961In Jerusalem, Öffentlichkeit weltweit
Auschwitz-Prozess1963 bis 1965In Frankfurt am Main, Aufklärung der Öffentlichkeit

Prozesse bewerten

  1. Wir fragen: Was sollte der Prozess erreichen?
  2. Wir sammeln: Strafe, Aufklärung, Wahrheit für die Opfer.
  3. Wir sehen: Viele Täter wurden nie bestraft.
  4. Wir urteilen: Gerichte klären Schuld, die Gesellschaft muss darüber hinaus erinnern.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Nach 1945 gab es Prozesse.

Viele Täter blieben straffrei.

Der Auschwitz-Prozess klärte die Öffentlichkeit auf.

Ein Beispiel

Beispiel

Wenn ein schweres Unrecht passiert ist, wollen viele Menschen wissen, wer dafür verantwortlich ist. Ein Gericht prüft Beweise und spricht ein Urteil. Das hilft auch den Opfern.

Schritt für Schritt

Die Prozesse ordnen

  1. Zuerst: Nürnberger Hauptprozess 1945 bis 1946.
  2. Dann: Eichmann-Prozess in Jerusalem 1961.
  3. Dann: Auschwitz-Prozess in Frankfurt 1963 bis 1965.
  4. Schließlich: 1979 Aufhebung der Verjährung für Mord.

Mit einem Bild erklärt

1945 bis 1946Nürnberg1961Eichmann-Prozess1963 bis 1965Auschwitz-Prozess1979Keine Verjährung für Mord

Zur Grundlage zurück

Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Wo fand der Hauptprozess gegen führende Nationalsozialisten statt?
Zeig mir den ersten Schritt

Der Prozess ist nach der Stadt benannt.

Lösung ansehen

Lösung: In Nürnberg

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Im Auschwitz-Prozess in Frankfurt erfuhr die Öffentlichkeit ausführlich, was in Auschwitz geschehen war.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Tipp: Gerichte beurteilen einzelne Personen. Das Erinnern betrifft die ganze Gesellschaft.

Merksatz: Nach 1945 gab es wichtige Prozesse. Dennoch wurden viele Täter nicht oder nur mild bestraft. Die Aufarbeitung dauerte Jahrzehnte.

Typischer Fehler: Viele denken, mit dem Nürnberger Prozess sei die Aufarbeitung abgeschlossen gewesen. Er war nur ein Anfang.

Prüfen

Mini-Quiz

4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Wer hatte den Auschwitz-Prozess maßgeblich möglich gemacht?
Lösung ansehen

Lösung: Der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer

Frage 2 Was bedeutete die Aufhebung der Verjährung für Mord 1979?
Lösung ansehen

Lösung: Mord kann dauerhaft verfolgt werden.

Frage 3 Alle NS-Täter wurden nach 1945 bestraft.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Frage 4 Welcher Prozess fand 1961 in Jerusalem statt?
Lösung ansehen

Lösung: Der Prozess gegen Adolf Eichmann

Geschafft

Mit Prozessen in Nürnberg, Frankfurt und Jerusalem wurden NS-Verbrechen untersucht. In Ost und West verlief die Aufarbeitung unterschiedlich.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Aussöhnung, Europa und Erinnerung

Kurz erklärt, 43 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

PDF, 411 KB

Übungsheft herunterladen (PDF, 411 KB)

Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen