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Deutsch

Eine Deutung formulieren

Eine Deutung sagt, was eine Geschichte bedeuten kann. Du formulierst sie als begründete Aussage, belegst sie mit Zitaten und gibst Fremdtexte sinngetreu wieder.

  • ca. 13 Minuten
  • Klasse 8
  • Niveau: Plus

Das lernst du heute

  • Ich kann eine Deutung mit Behauptung, Beleg und Erklärung formulieren.
  • Ich kann Zitate korrekt einbauen und Fremdtexte sinngetreu wiedergeben.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst eine dieser Lektionen: Meine Lesart begründen, Mit Textstellen belegen und zitieren

Eine Deutung (Interpretation) beantwortet die Frage: Was könnte die Geschichte bedeuten? Du schreibst in drei Schritten: Behauptung (Deutungsansatz), Beleg (Zitat mit Zeilenangabe) und Erklärung (Wie stützt die Stelle die Behauptung?). Ein Zitat steht in Anführungszeichen und wird in deinen Satz eingebaut: Der Junge sagt leise: „Für meine Mutter“ (Z. 10). Fremde Texte, etwa einen Lehrtext, gibst du sinngetreu mit eigenen Worten wieder und nennst die Quelle. Es sind mehrere Deutungen möglich, wenn sie zum Text passen.

Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas. Aus einem Lehrtext (frei erfunden): „Kurzgeschichten verzichten meist auf lange Einleitungen. Sie beginnen mitten im Geschehen, damit die Lesenden sofort in die Situation hineingezogen werden. Am Ende bleibt oft eine Frage offen, die die Lesenden selbst beantworten müssen.“
Eine Geschichte und ein Text über Kurzgeschichten.

Eine Deutung aufbauen

  1. Behauptung: Die Geschichte zeigt, dass ein Vorurteil durch genaues Hinsehen verschwinden kann.
  2. Beleg: Frau Aksoy „musterte“ den Jungen zuerst (Z. 3). Später „rückte [sie] ein Stück zur Seite“ (Z. 11).
  3. Erklärung: Zuerst wirkt der Junge verdächtig. Als sie erfährt, warum er den Rucksack festhält, hilft sie ihm. Ihre Haltung hat sich verändert.
  4. Sinngetreu wiedergeben: Laut dem Lehrtext beginnen Kurzgeschichten meist mitten im Geschehen und lassen am Ende eine Frage offen (vgl. Lehrtext). „Haltestelle Süd“ passt dazu (Z. 1, Z. 13).
  5. Ergebnis: Eine Deutung ist begründet, wenn sie sich auf mehrere Textstellen stützt.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Das könnte die Geschichte bedeuten.

Daran sehe ich es: Zitat.

So stützt die Stelle meine Aussage.

Ein Beispiel

Beispiel

Wenn du einem Freund erklärst, warum du glaubst, dass jemand traurig ist, nennst du eine Aussage und eine Stelle, an der du es siehst. Genau so deutest du einen Text.

Schritt für Schritt

Wir bauen eine Deutung auf.

  1. Behauptung: Misstrauen kann sich ändern, wenn man genauer hinsieht.
  2. Beleg: „Sie musterte ihn.“ (Z. 3) und „Sie rückte ein Stück zur Seite“ (Z. 11).
  3. Erklärung: Zuerst prüft sie ihn skeptisch, später hilft sie.
  4. Fazit: Die Geschichte zeigt eine Veränderung.

Mit einem Bild erklärt

BausteinBeispiel zu Haltestelle Süd
BehauptungMisstrauen kann sich durch genaues Hinsehen ändern.
Beleg„Sie musterte ihn.“ (Z. 3); „Sie rückte ein Stück zur Seite“ (Z. 11)
ErklärungZuerst prüft sie ihn skeptisch, später hilft sie.
Fremdtext sinngetreuLaut dem Lehrtext beginnen Kurzgeschichten oft mitten im Geschehen.

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Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Lies die Geschichte. Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas. Welcher Satz ist eine Deutung?
Zeig mir den ersten Schritt

Eine Deutung sagt, was etwas bedeutet.

Lösung ansehen

Lösung: Die Geschichte zeigt, dass man andere nicht vorschnell beurteilen sollte.

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Lies die Geschichte. Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas. Welche Textstelle stützt die Deutung „Frau Aksoy ändert ihre Haltung“?
Zeig mir den ersten Schritt

Suche eine Stelle, an der sie sich anders verhält als am Anfang.

Lösung ansehen

Lösung: „Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack“ (Z. 11)

Tipp: Prüfe: Passt meine Deutung zu allen Stellen? Wenn eine Stelle nicht passt, ändere die Deutung.

Merksatz: Deutung: Behauptung – Beleg (Zitat, Zeile) – Erklärung. Fremdtext: eigene Worte und Quelle.

Typischer Fehler: Viele schreiben nur die Handlung nach. Eine Deutung geht darüber hinaus: Sie sagt, was die Geschichte bedeuten kann. Das gelingt nur mit Belegen.

Prüfen

Mini-Quiz

4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Lies den Lehrtext. Aus einem Lehrtext (frei erfunden): „Kurzgeschichten verzichten meist auf lange Einleitungen. Sie beginnen mitten im Geschehen, damit die Lesenden sofort in die Situation hineingezogen werden. Am Ende bleibt oft eine Frage offen, die die Lesenden selbst beantworten müssen.“ Welche Wiedergabe ist sinngetreu?
Lösung ansehen

Lösung: Laut dem Lehrtext beginnen Kurzgeschichten meist mitten im Geschehen und enden oft mit einer offenen Frage.

Frage 2 Wie baust du ein Zitat in deinen Satz ein?
Lösung ansehen

Lösung: Frau Aksoy „musterte“ den Jungen zuerst (Z. 3).

Frage 3 Zu einer Kurzgeschichte können mehrere Deutungen passen.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Frage 4 Eine Deutung gibt nur die Handlung wieder.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Geschafft

Eine Deutung besteht aus Behauptung, Beleg und Erklärung. Zitate werden eingebaut, Fremdtexte sinngetreu wiedergegeben.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

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