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Politik und Wirtschaft

Armut und Reichtum in Zahlen

Statistiken zeigen, wie Armut und Reichtum verteilt sind. Man muss sie richtig lesen.

  • ca. 11 Minuten
  • Klasse 9
  • Niveau: Standard

Das lernst du heute

  • Ich lese Aussagen über Armutsrisiko und Verteilung richtig.
  • Ich unterscheide Einkommen und Vermögen.
  • Ich nenne echte Größenordnungen von Armut und Vermögen mit Quelle und Jahr.
  • Ich beschreibe Entwicklungen vorsichtig.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Was heißt arm, was heißt reich?

Statistische Berichte zeigen, wie viele Menschen von Armut bedroht sind und wie Einkommen und Vermögen verteilt sind. Die Bundesregierung veröffentlicht dazu regelmäßig Berichte.

Beim Lesen von Zahlen helfen vier Fragen. Was wird gemessen: Einkommen oder Vermögen? Welche Gruppe ist gemeint? Aus welchem Jahr stammen die Daten? Wie wurde gerechnet, zum Beispiel mit dem Median?

Wichtig ist der Unterschied zwischen Einkommen und Vermögen. Einkommen ist, was jemand regelmäßig verdient, zum Beispiel Lohn. Vermögen ist, was jemand besitzt. Ein Mensch kann ein hohes Einkommen und wenig Vermögen haben. Auch das Gegenteil ist möglich.

Ein weiterer Punkt ist die Verteilung. Der Durchschnitt versteckt oft große Unterschiede. Wenn ein Haushalt sehr reich ist, steigt der Durchschnitt, obwohl die meisten Haushalte weniger haben. Der Median ist hier aussagekräftiger.

Armutsrisiko ist nicht für alle Gruppen gleich. Es ist im Durchschnitt höher bei Alleinerziehenden, Menschen mit geringer Qualifikation, Arbeitslosen und Menschen in Familien mit vielen Kindern. Das ist eine statistische Aussage über Gruppen, keine über einzelne Personen.

Die Zahlen in den Rechenbeispielen sind ausgedacht. Echte Werte aus amtlichen Statistiken findest du im nächsten Abschnitt.

Statistiken richtig lesen.
Frage zur StatistikWarum sie wichtig ist
Einkommen oder Vermögen?Beides ist unterschiedlich verteilt.
Welche Gruppe?Aussagen gelten nur für die genannte Gruppe.
Welches Jahr?Werte ändern sich.
Median oder Durchschnitt?Der Durchschnitt wird von sehr hohen Werten verzerrt.

Echte Zahlen zur Armut: Das Statistische Bundesamt befragt jedes Jahr Haushalte zu ihrem Einkommen. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 % des mittleren Nettoeinkommens (Median) hat. Haushalte werden dabei nach ihrer Größe umgerechnet. 2025 lag die Grenze für eine allein lebende Person bei etwa 1 450 Euro im Monat. Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag sie bei etwa 3 040 Euro. Rund 16 % der Menschen in Deutschland waren 2025 armutsgefährdet, das sind etwa 13,3 Millionen. Über die letzten Jahre schwankte der Anteil zwischen etwa 14 und 16 % (Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand 2026).

Echte Zahlen zum Vermögen: Vermögen ist viel ungleicher verteilt als Einkommen. Die Deutsche Bundesbank befragt dazu regelmäßig Haushalte. 2023 besaßen die reichsten 10 % der Haushalte etwa 54 % des gesamten Nettovermögens. Nettovermögen ist alles, was man besitzt, minus die Schulden. Die ärmere Hälfte der Haushalte besaß zusammen nur wenige Prozent. Der Median lag 2023 bei rund 103 000 Euro, der Durchschnitt bei rund 325 000 Euro. Der große Abstand zeigt, wie ungleich das Vermögen verteilt ist. Seit 2014 ist der Anteil der reichsten 10 % leicht gesunken, von etwa 60 % auf 54 % (Quelle: Deutsche Bundesbank, Stand 2025).

Armutsgefährdungsquote in Deutschland. Gefragt wird nach dem Einkommen des Vorjahres. Quelle: Statistisches Bundesamt (EU-SILC), Stand April 2026.
Jahr der BefragungAnteil armutsgefährdet
202016,1 %
202116,0 %
202214,8 %
202314,4 %
202415,5 %
202516,1 %
Vermögensverteilung der Haushalte in Deutschland. Quelle: Deutsche Bundesbank, Befragung „Private Haushalte und ihre Finanzen“, Stand 2025.
JahrAnteil der reichsten 10 % am Nettovermögen
201059 %
201460 %
201755 %
202156 %
202354 %

Median und Durchschnitt vergleichen (ausgedachte Werte)

  1. Fünf Haushalte: 1200, 1500, 1800, 2400, 4000 Euro.
  2. Durchschnitt: 10900 : 5 = 2180 Euro.
  3. Median: 1800 Euro.
  4. Der Durchschnitt ist höher, weil der höchste Wert ihn nach oben zieht.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Einkommen: was man verdient.

Vermögen: was man besitzt.

Median: der Wert in der Mitte.

Ein Beispiel

Beispiel

Eine Klasse schreibt eine Arbeit. Vier Personen haben eine 3, eine Person hat eine 1. Der Durchschnitt wird besser, obwohl die meisten eine 3 haben.

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt: eine Statistik lesen

  1. Was wird gemessen?
  2. Welche Gruppe?
  3. Welches Jahr?
  4. Median oder Durchschnitt?
  5. Was sagt die Zahl nicht?

Mit einem Bild erklärt

WertBeispiel
Durchschnitt2180 Euro
Median1800 Euro
Unterschiedhohe Einzelwerte ziehen den Durchschnitt nach oben

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Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Fünf Haushalte haben 1200, 1500, 1800, 2400 und 4000 Euro. Wie hoch ist der Durchschnitt in Euro?

Zeig mir den ersten Schritt

Addiere alle Werte und teile durch 5.

Lösung ansehen

Lösung: 2180

1200 + 1500 + 1800 + 2400 + 4000 = 10900. 10900 : 5 = 2180.

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Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Warum liegt der Durchschnitt hier über dem Median?
Zeig mir den ersten Schritt

Vergleiche den höchsten Wert mit den anderen.

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Lösung: Ein sehr hoher Wert zieht den Durchschnitt nach oben.

Lies die Werte aus den beiden Tabellen ab. Ein Prozentpunkt ist der Abstand zwischen zwei Prozentwerten: Von 14 % auf 16 % sind es 2 Prozentpunkte.

Üben

Jetzt du: Echte Werte ablesen

Jetzt probierst du es allein.

Frage 1 In welchem Jahr war der Anteil der armutsgefährdeten Menschen am niedrigsten?
Zeig mir den ersten Schritt

Suche in der Spalte den kleinsten Prozentwert.

Lösung ansehen

Lösung: 2023

Frage 2 Um wie viele Prozentpunkte stieg die Armutsgefährdungsquote von 2023 bis 2025? Schreibe die Zahl mit Komma.

Zeig mir den ersten Schritt

Rechne den Wert von 2025 minus den Wert von 2023: 16,1 − 14,4.

Lösung ansehen

Lösung: 1,7

16,1 − 14,4 = 1,7. Die Quote stieg um 1,7 Prozentpunkte.

Frage 3 Was zeigt die Tabelle zum Vermögen für 2023?
Zeig mir den ersten Schritt

Vergleiche 54 % mit 50 %.

Lösung ansehen

Lösung: Die reichsten 10 % besaßen mehr als die Hälfte des Nettovermögens.

Tipp: Frage immer: Wer ist gemeint? Welches Jahr? Median oder Durchschnitt?

Merksatz: Statistik lesen: Einkommen oder Vermögen, Gruppe, Jahr, Median oder Durchschnitt.

Typischer Fehler: Viele schließen von einer Gruppenstatistik auf einzelne Menschen. Eine Statistik beschreibt nur Durchschnitte und Anteile.

Prüfen

Mini-Quiz

5 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Was ist Vermögen?
Lösung ansehen

Lösung: Das, was jemand besitzt

Frage 2 Eine Statistik über Alleinerziehende sagt, wie es jeder einzelnen alleinerziehenden Person geht.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Frage 3 Welche Frage gehört zum Lesen einer Statistik?
Lösung ansehen

Lösung: Aus welchem Jahr stammen die Daten?

Frage 4 Wann ist der Median oft besser als der Durchschnitt?
Lösung ansehen

Lösung: Wenn es sehr hohe Einzelwerte gibt.

Frage 5 Vermögen ist in Deutschland ungleicher verteilt als Einkommen.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Geschafft

Einkommen und Vermögen sind verschieden verteilt. Der Median zeigt die Verteilung besser als der Durchschnitt. Statistiken beschreiben Gruppen.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Arm und reich

Kurz erklärt, 41 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

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