Armut und Reichtum in Zahlen
Statistiken zeigen, wie Armut und Reichtum verteilt sind. Man muss sie richtig lesen.
Das lernst du heute
- Ich lese Aussagen über Armutsrisiko und Verteilung richtig.
- Ich unterscheide Einkommen und Vermögen.
- Ich nenne echte Größenordnungen von Armut und Vermögen mit Quelle und Jahr.
- Ich beschreibe Entwicklungen vorsichtig.
Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst diese Lektion: Was heißt arm, was heißt reich?
Statistische Berichte zeigen, wie viele Menschen von Armut bedroht sind und wie Einkommen und Vermögen verteilt sind. Die Bundesregierung veröffentlicht dazu regelmäßig Berichte.
Beim Lesen von Zahlen helfen vier Fragen. Was wird gemessen: Einkommen oder Vermögen? Welche Gruppe ist gemeint? Aus welchem Jahr stammen die Daten? Wie wurde gerechnet, zum Beispiel mit dem Median?
Wichtig ist der Unterschied zwischen Einkommen und Vermögen. Einkommen ist, was jemand regelmäßig verdient, zum Beispiel Lohn. Vermögen ist, was jemand besitzt. Ein Mensch kann ein hohes Einkommen und wenig Vermögen haben. Auch das Gegenteil ist möglich.
Ein weiterer Punkt ist die Verteilung. Der Durchschnitt versteckt oft große Unterschiede. Wenn ein Haushalt sehr reich ist, steigt der Durchschnitt, obwohl die meisten Haushalte weniger haben. Der Median ist hier aussagekräftiger.
Armutsrisiko ist nicht für alle Gruppen gleich. Es ist im Durchschnitt höher bei Alleinerziehenden, Menschen mit geringer Qualifikation, Arbeitslosen und Menschen in Familien mit vielen Kindern. Das ist eine statistische Aussage über Gruppen, keine über einzelne Personen.
Die Zahlen in den Rechenbeispielen sind ausgedacht. Echte Werte aus amtlichen Statistiken findest du im nächsten Abschnitt.
| Frage zur Statistik | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Einkommen oder Vermögen? | Beides ist unterschiedlich verteilt. |
| Welche Gruppe? | Aussagen gelten nur für die genannte Gruppe. |
| Welches Jahr? | Werte ändern sich. |
| Median oder Durchschnitt? | Der Durchschnitt wird von sehr hohen Werten verzerrt. |
Echte Zahlen zur Armut: Das Statistische Bundesamt befragt jedes Jahr Haushalte zu ihrem Einkommen. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 % des mittleren Nettoeinkommens (Median) hat. Haushalte werden dabei nach ihrer Größe umgerechnet. 2025 lag die Grenze für eine allein lebende Person bei etwa 1 450 Euro im Monat. Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag sie bei etwa 3 040 Euro. Rund 16 % der Menschen in Deutschland waren 2025 armutsgefährdet, das sind etwa 13,3 Millionen. Über die letzten Jahre schwankte der Anteil zwischen etwa 14 und 16 % (Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand 2026).
Echte Zahlen zum Vermögen: Vermögen ist viel ungleicher verteilt als Einkommen. Die Deutsche Bundesbank befragt dazu regelmäßig Haushalte. 2023 besaßen die reichsten 10 % der Haushalte etwa 54 % des gesamten Nettovermögens. Nettovermögen ist alles, was man besitzt, minus die Schulden. Die ärmere Hälfte der Haushalte besaß zusammen nur wenige Prozent. Der Median lag 2023 bei rund 103 000 Euro, der Durchschnitt bei rund 325 000 Euro. Der große Abstand zeigt, wie ungleich das Vermögen verteilt ist. Seit 2014 ist der Anteil der reichsten 10 % leicht gesunken, von etwa 60 % auf 54 % (Quelle: Deutsche Bundesbank, Stand 2025).
| Jahr der Befragung | Anteil armutsgefährdet |
|---|---|
| 2020 | 16,1 % |
| 2021 | 16,0 % |
| 2022 | 14,8 % |
| 2023 | 14,4 % |
| 2024 | 15,5 % |
| 2025 | 16,1 % |
| Jahr | Anteil der reichsten 10 % am Nettovermögen |
|---|---|
| 2010 | 59 % |
| 2014 | 60 % |
| 2017 | 55 % |
| 2021 | 56 % |
| 2023 | 54 % |
Median und Durchschnitt vergleichen (ausgedachte Werte)
- Fünf Haushalte: 1200, 1500, 1800, 2400, 4000 Euro.
- Durchschnitt: 10900 : 5 = 2180 Euro.
- Median: 1800 Euro.
- Der Durchschnitt ist höher, weil der höchste Wert ihn nach oben zieht.
Ich verstehe das noch nicht
Such dir aus, was dir hilft.
Noch einfacher erklärt
Einkommen: was man verdient.
Vermögen: was man besitzt.
Median: der Wert in der Mitte.
Ein Beispiel
Eine Klasse schreibt eine Arbeit. Vier Personen haben eine 3, eine Person hat eine 1. Der Durchschnitt wird besser, obwohl die meisten eine 3 haben.
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt: eine Statistik lesen
- Was wird gemessen?
- Welche Gruppe?
- Welches Jahr?
- Median oder Durchschnitt?
- Was sagt die Zahl nicht?
Mit einem Bild erklärt
| Wert | Beispiel |
|---|---|
| Durchschnitt | 2180 Euro |
| Median | 1800 Euro |
| Unterschied | hohe Einzelwerte ziehen den Durchschnitt nach oben |
Zur Grundlage zurück
- Was heißt arm, was heißt reich? – Du kennst Median und relative Armut.
Jetzt zusammen
Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.
Fünf Haushalte haben 1200, 1500, 1800, 2400 und 4000 Euro. Wie hoch ist der Durchschnitt in Euro?
Zeig mir den ersten Schritt
Addiere alle Werte und teile durch 5.
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Lösung: 2180
1200 + 1500 + 1800 + 2400 + 4000 = 10900. 10900 : 5 = 2180.
Jetzt du
Jetzt probierst du es allein.
Zeig mir den ersten Schritt
Vergleiche den höchsten Wert mit den anderen.
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Lösung: Ein sehr hoher Wert zieht den Durchschnitt nach oben.
Lies die Werte aus den beiden Tabellen ab. Ein Prozentpunkt ist der Abstand zwischen zwei Prozentwerten: Von 14 % auf 16 % sind es 2 Prozentpunkte.
Jetzt du: Echte Werte ablesen
Jetzt probierst du es allein.
Zeig mir den ersten Schritt
Suche in der Spalte den kleinsten Prozentwert.
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Lösung: 2023
Frage 2 Um wie viele Prozentpunkte stieg die Armutsgefährdungsquote von 2023 bis 2025? Schreibe die Zahl mit Komma.
Zeig mir den ersten Schritt
Rechne den Wert von 2025 minus den Wert von 2023: 16,1 − 14,4.
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Lösung: 1,7
16,1 − 14,4 = 1,7. Die Quote stieg um 1,7 Prozentpunkte.
Zeig mir den ersten Schritt
Vergleiche 54 % mit 50 %.
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Lösung: Die reichsten 10 % besaßen mehr als die Hälfte des Nettovermögens.
Tipp: Frage immer: Wer ist gemeint? Welches Jahr? Median oder Durchschnitt?
Merksatz: Statistik lesen: Einkommen oder Vermögen, Gruppe, Jahr, Median oder Durchschnitt.
Typischer Fehler: Viele schließen von einer Gruppenstatistik auf einzelne Menschen. Eine Statistik beschreibt nur Durchschnitte und Anteile.
Mini-Quiz
5 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.
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Lösung: Das, was jemand besitzt
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Lösung: Stimmt nicht
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Lösung: Aus welchem Jahr stammen die Daten?
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Lösung: Wenn es sehr hohe Einzelwerte gibt.
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Lösung: Stimmt
Geschafft
Einkommen und Vermögen sind verschieden verteilt. Der Median zeigt die Verteilung besser als der Durchschnitt. Statistiken beschreiben Gruppen.
Kannst du das schon?
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