DYS+ Campus ist kostenlos und ohne Werbung. Projekt mit einer Spende unterstützen

Deutsch

Figuren in einer Alltagssituation

In Kurzgeschichten wird wenig über die Figuren gesagt. Du erschließt ihre Gedanken und Gefühle aus Verhalten, Körpersprache und Rede.

  • ca. 12 Minuten
  • Klasse 8
  • Niveau: Standard

Das lernst du heute

  • Ich kann Figuren aus ihrem Verhalten und ihrer Rede charakterisieren.
  • Ich kann erklären, wie sich eine Figur im Verlauf verändert.

Das brauchst du schon: Vielleicht hilft dir zuerst eine dieser Lektionen: Was eine Figur denkt und fühlt, Mit Textstellen belegen und zitieren

In Kurzgeschichten sind Figuren oft typische Menschen in einer Alltagssituation. Manche haben keinen Namen („der Junge“). Es gibt wenig Beschreibung. Du erschließt ihren Charakter aus dem Verhalten (Was tut sie?), der Körpersprache (Wie reagiert ihr Körper?), der Rede (Was sagt sie, und wie?) und den Gedanken. Eine Figur kann sich im Verlauf verändern, besonders nach dem Wendepunkt. Deine Aussagen über die Figuren belegst du mit Textstellen (Zeilenangabe).

Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas.
Wie verändert sich Frau Aksoy?

Eine Figur untersuchen

  1. Frau Aksoy am Anfang: Sie „musterte“ den Jungen (Z. 3). Sie fragt „schärfer, als sie wollte“ (Z. 5). Das zeigt Misstrauen und leichte Ungeduld.
  2. Der Junge: Seine „Knöchel an der Stange wurden weiß“ (Z. 6). Er ist angespannt und hat Angst, dass etwas kaputtgeht.
  3. Wendepunkt: Der Junge erklärt, was im Rucksack ist (Z. 9–10).
  4. Frau Aksoy danach: Sie „rückte ein Stück zur Seite“ (Z. 11) und hält den Rucksack. Sie zeigt Verständnis und hilft.
  5. Ergebnis: Sie verändert sich. Misstrauen wird zu Fürsorge.

Ich verstehe das noch nicht

Such dir aus, was dir hilft.

Noch einfacher erklärt

Was tut sie?

Was sagt sie?

Wie reagiert ihr Körper?

Verändert sie sich?

Beleg nicht vergessen.

Ein Beispiel

Beispiel

Du siehst einen Mitschüler, der ständig auf sein Handy schaut, nervös lacht und schnell geht. Daraus ziehst du Schlüsse auf seine Stimmung. So liest du Figuren.

Schritt für Schritt

Wir charakterisieren den Jungen.

  1. Verhalten: Er hält den Rucksack mit beiden Armen fest (Z. 2).
  2. Körpersprache: Seine Knöchel werden weiß (Z. 6).
  3. Rede: Er spricht leise (Z. 10).
  4. Schluss: Er ist angespannt, vorsichtig und liebevoll.

Mit einem Bild erklärt

FigurTextstelleSchluss
Junge„Seine Knöchel an der Stange wurden weiß.“ (Z. 6)Er ist angespannt.
Junge„Für meine Mutter“, sagte er leise. (Z. 10)Er ist liebevoll.
Frau Aksoy„schärfer, als sie wollte“ (Z. 5)Sie ist misstrauisch, aber nicht unfreundlich.
Frau Aksoy„rückte ein Stück zur Seite“ (Z. 11)Sie wird verständnisvoll.

Zur Grundlage zurück

Ausprobieren

Jetzt zusammen

Wir lösen die Aufgabe gemeinsam. Nutze die Hilfen, wenn du sie brauchst.

Lies die Geschichte. Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas. Was zeigen die weißen Knöchel (Z. 6)?
Zeig mir den ersten Schritt

Was passiert im Körper bei Anspannung?

Lösung ansehen

Lösung: Der Junge ist angespannt.

Üben

Jetzt du

Jetzt probierst du es allein.

Lies die Geschichte. Haltestelle Süd: (Z. 1) Der Bus war voll, und Frau Aksoy stand wie jeden Morgen dicht an der Tür. (Z. 2) Neben ihr drückte sich ein Junge in einer viel zu großen Jacke gegen die Stange. Er hielt einen Rucksack mit beiden Armen fest. (Z. 3) Sie musterte ihn. Durch den dünnen Stoff des Rucksacks zeichnete sich etwas Eckiges ab. (Z. 4) Als der Bus bremste, rutschte der Rucksack, und es klirrte. (Z. 5) „Was hast du da drin?“, fragte sie schärfer, als sie wollte. (Z. 6) Der Junge antwortete nicht. Seine Knöchel an der Stange wurden weiß. (Z. 7) An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus. Er blieb stehen. (Z. 8) Frau Aksoy sah auf die Uhr. Sie war spät dran. (Z. 9) Da zog der Junge den Reißverschluss einen Spalt auf. Glas blitzte, ein Bilderrahmen, darin ein Foto. (Z. 10) „Für meine Mutter“, sagte er leise. „Sie hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht, dass er kaputtgeht.“ (Z. 11) Frau Aksoy sagte nichts. Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack, (Z. 12) bis der Bus an der Haltestelle Süd hielt. Der Junge nickte ihr zu, stieg aus und verschwand in der Menge. (Z. 13) Sie fuhr noch zwei Haltestellen weiter und merkte erst da, dass sie die Hand noch immer ausgestreckt hielt, als trüge sie etwas. Welche Stelle zeigt, dass sich Frau Aksoy verändert?
Zeig mir den ersten Schritt

Suche eine Stelle, an der sie etwas für den Jungen tut.

Lösung ansehen

Lösung: „Sie rückte ein Stück zur Seite und hielt mit einer Hand den Rucksack“ (Z. 11)

Tipp: Belege jede Aussage mit einer Zeilenangabe, zum Beispiel (Z. 6).

Merksatz: Figur: Verhalten, Körper, Rede, Gedanken. Veränderung: vorher – Wendepunkt – nachher. Mit Zeilenangabe belegen.

Typischer Fehler: Viele schreiben: „Sie ist nett.“ Das ist zu allgemein. Besser ist: „Sie hilft dem Jungen (Z. 11) und zeigt damit Verständnis.“ Eine Charakterisierung braucht Belege.

Prüfen

Mini-Quiz

4 kurze Fragen, ohne Noten. Bei jeder Frage kannst du dir die Lösung ansehen.

Frage 1 Was wird in Kurzgeschichten über Figuren oft nicht gesagt?
Lösung ansehen

Lösung: Name, Alter und Lebensgeschichte

Frage 2 Wie belegst du eine Aussage über eine Figur?
Lösung ansehen

Lösung: mit einer Textstelle und Zeilenangabe

Frage 3 In Kurzgeschichten wird der Charakter der Figuren ausführlich beschrieben.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt nicht

Frage 4 Eine Figur kann sich nach dem Wendepunkt verändern.
Lösung ansehen

Lösung: Stimmt

Geschafft

Figuren in Kurzgeschichten erschließt man aus ihrem Verhalten, ihrer Körpersprache und ihrer Rede. Sie können sich verändern. Aussagen werden belegt.

Zum Schluss

Kannst du das schon?

Hake ab, was du schon kannst. Was noch fehlt, schaust du dir einfach noch einmal an.

Zum Ausdrucken

Übungsheft Kurzgeschichten lesen und deuten

Kurz erklärt, 43 Aufgaben in drei Stufen und alle Lösungen. Kostenlos.

PDF, 481 KB

Übungsheft herunterladen (PDF, 481 KB)

Das Heft ist für alle kostenlos – auch wenn gerade kein Geld dafür da ist. Wer es einrichten kann, unterstützt DYS+ Campus mit einem selbst gewählten Betrag. Freiwillig unterstützen